Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510638
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Attila. 
Feste Governolo, brachte Geschenke und liess die Sage 
verbreiten, wie der Erste der Apostel Rom in sonderbarem 
Schutz halte; Alarißh habe es erfahren, der wegen Mis- 
handlung der Stadt frühen Tod erlitten. Nach dem Ver- 
fasser der Miscellen erschien selbst dem Attila neben dem 
Papst ein Mann von imposanter Gestalt, der ihn mit blossem 
Schwerte bedrohte. Da liess der König sichbesänftigen 
und zog, belastet vom Raube hundert unglücklicher Städte 
aus dem Lande. Nach einer andern, spätern Sage, erschie- 
nen dem Attila zwei Reiter mit blossen Schwertern, die 
man für die Apostel Petrus und Paulus erklärte. Dieser 
letztern Sage folgte Rafael, nur dass er die Apostel in den 
Lüften und nicht auf Pferden erscheinen lässt. Attila, auf 
einem schwarzen Pferde mit weisser Blesse reitend, sehen 
wir durch diese Erscheinung erschreckt, während Windes- 
brausen die wild heranziehenden Hunnen bewegt und er- 
greift und in ihren Fahnen wirbelt, wodurch Menschen und 
Pferde in Verwirrung gerathen, die Trompeter zum Riick- 
zuge blasen. In einem frühern Entwurf Rafaefs, jetzt in der 
Pariser Sammlung, hatte er in dem Vorgrund links noch 
Gruppen von Reitern und Hunnen dargestellt, welche von 
der Wirkung der Erscheinung, die Attila nur allein wahre 
zunehmen scheint, von Entsetzen ergriffen werden; den 
Zug des römischenaBischofs aber sieht man nur in der 
Ferne. Diese sorgfältig ausgeführte Zeichnung legte Rafael 
wahrscheinlich dem Papst zur Genehmigung vor. Da aber 
für gut befunden wurde, in dem Bilde auf die langersehnte 
Vertreibung der Franzosen aus Italien anzuspielen  welche 
1) Diese Angabe gründet sich auf ein lateinisches Gedicht des 
Gyraldi, von W. Roscoe bekannt gemacht, in welchem diese Bege- 
benheit unter dem Bilde der Vertreibung der Hunnen durch Leo den 
Heiligen besungen ward. Auch die Maskerade in {Florenz auf das 
Johannesfest des Jahres 1514, die den Triumph des Camillus über 
die Gallier vorstellte, hat ähnliche Beziehung. Diese Art der An- 
spielung, Ereignisse des Zeitalters unter dem Bilde von Begebenhei- 
ten des Alterthums vorzustellen, scheint damals in Italien überhaupt 
sehr gebräuchlich gewesen zu sein, daher zu jener Zeit leicht ver-
        

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