Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510617
198 
Die 
Messe 
lßüll 
Bolsezza. 
italienischen Volkes auf der Seite gegenüber, oder zu der 
Geschmeidigkeit der geistlichen Hofleute. Der National- 
charakter der Schweizer ist mit einer solchen Wahrheit dar- 
gestellt, dass man ihn noch heute in Individuen der jetzi- 
gen päpstlichen Leibwachc zu erkennen Gelegenheit hat. 
Dabei ist die Ausführung von so grosser Meisterschaft, 
dass man sagen könnte, die Bildnisse seien gleichsam von 
der Natur auf die Wand übertragen. Localtöne, Mitteltixl- 
ten und Farbenspiele sind so lebendig und kräftig behan- 
delt, dass Rafael im breiten Vortrag des Fresco fast die 
Vorzüge der Ölmalerei erreicht hat. Die berühmten Fresco- 
malereien 'I'itian's in der sogenannten Scola di S. Antonio 
zu Padua, so lebensvoll sie auch sind, bleiben weit zurück 
gegen die Vollkommenheiten, welche hier von Rafael nicht 
allein in der richtigen, schönen Zeichnung und den leben- 
digen Charakteren, sondern auch vorzüglich in den Wun- 
dern des Colorits sind erreicht worden. Er hat sich hie- 
durch den ersten Rang unter allen Frescomalern erworben, 
Nachdem die Ausschmückung des Zimmers bis hieher 
gediehen war, musste Papst Julius II das Zeitliche verlas- 
sen. Viel Grosses hatte er gewirkt, mehr noch liessen 
seine weit hinausreichendeil Pläne zu thun übrig, die aber 
nie ihre Vollendung erhielten, nachdem Cardinal Giovanni 
de" Medici als Leo X den päpstlichen Stuhl bestiegen hatte. 
Rafael fand indessen auch in ihm einen kunst- und prachtlie- 
benden Fürsten und mächtigen Gönner, so dass die von 
ihm angefangenen Arbeiten im Vatican wohl nur kurze Un- 
terbrechung erlitten, wie denn auch wir die Beschreibung 
des Heliodorischen Zimmers hier vollenden wollen, obgleich 
die Fresken, zu denen wir jetzt übergehen, ihrer Entste- 
hungszeit nach, in den nächsten Abschnitt gehören. 
Das dritte Wandgemälde stellt die Befreiung des Apo- 
stels Petrus aus dem Gefängniss dar, und besteht aus drei 
Theilen: In der Mitte über dem Fenster sehen wir durch 
das Gitter des Gefängnisses wie Petrus zwischen zwei Wa- 
chen gekettet in tiefem Schlaf liegt, und wie die Lichtge- 
stalt eines Engels herbeieilt ihn zu wecken und aus der 
Haft wundersam zu erretten. Rechts in dem Bilde sehen
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.