Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510568
Bilder 
Die 
der 
Decke. 
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in Grau gemalte Gurten mit Darstellungen von Gefechten, 
Triumphen, Opfern n. dergl. m. Diese umschliessen vier 
grosse Felder, in welche Rafael, um den Deckenbildern 
ein grösseres Ansehen von Leichtigkeit zu geben, schein- 
bar ausgespannte 'l'cppiche mit eingewirkten Gegenständen 
wie folgt einpasste. 
Das erste dieser Bilder hat zu verschiedenen Auslegun- 
gen Anlass gegeben: Vasari, welchem Platner gefolgt, sieht 
in ihm die Verheissung Gottes an Abraham, dass er eine 
zahlreiche Nachkommenschaft haben solle. Montagnani be- 
schreibt es als den Befehl an Noah, die Arche zu bauen,- 
und Bellori nennt es den Dank Noah's, nachdem er aus der 
Arche gegangen. Gegen diese verschiedenen Angaben strei- 
ten indessen die drei Kinder, welche Vater und Mutter bei 
sich haben. Mir scheint es daher am wahrscheinlichsten, 
dass der Gegenstand des Bildes sich auf dic Worte der 
heiligen Schrift beziehe, welche dem Befehl des Baues der 
Arche vorangehen: „Noah aber fand Gnade vor dem Herrn 
 und zeugte drei Söhne: Sem, Ham und Japhet."  
Hiedurch würde der allgemeine Segen über die Stammel- 
tern des ganzen nachsiindiiuthlichen Menschengeschleehts 
bezeichnet, deren Glieder ja durch Gottes Führungen alle 
zu seinen Kindern berufen sind. Es spräche sich dadurch 
auch die damals am römischen Hof waltende und eben so 
dem Rafael eigene Ansicht grosser Humanität aus, welche 
Sich durch das Studium der antiken Schriftsteller entwickelt 
hatte und so lange beifallig aufgenommen wurde, bis sie der 
Hierarchie selbst Gefahr drohte. Was nun die_ Composi- 
tion an sich anbelangt, so zeigt sie uns den erscheinenden 
Jehova voll Erhabenheit und Wliirde von zwei Engeln um- 
geben einherschweben, und den Erzvater auf die Knie nie- 
dergeworfexi und eines seiner Kinder im Arm, in völliger 
Hingebung anbetend; die Mutter aber von unbeschreiblicher 
weiblicher Anmuth mit den zwei andern Kindern aus der 
Thüre des Hauses tretend. Es ist ein Bild, welches zu 
den schönsten Erzeugnissen Rafaefs gehört. 
Weniger ansprechend ist die Dartellung wie Abraham, 
im Begriffe seinen Sohn zu opfern, durch einen Engel da" 
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