Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510542
Die 
und 
Propheten 
191 
keineswegs angenommen hat. Demohngeachtet sind diese 
„furore divinationis convulsac", wie sie Cicero nennt, häu- 
fig seit dem 14. Jahrhundert in den Kirchen des Abend- 
landes, sowohl in Marmor, als auch in Farben dargestellt. 
Indem wir nun diese Zulassung als eine grossartige Auer- 
kennung, dass die von Gott dargereichten Mittel zur Er- 
kenntniss und zum Heil gar mannigfach sind, gerne anneh- 
men wollen, so müssen wir sie in Bezug auf die Kunst 
auch als höchst vortheilhaft anerkennen, indem dadurch 
eine grössere Mannigfaltigkeit der Gestaltung gewonnen 
wurde und die zwei grössten Künstler des goldnen Kunst- 
alters neuerer Zeiten zu Leistungen der erhabensten Art 
Veranlassung fanden. In Bezug auf Grandiosität und origi- 
nelle Darstellungsweise gebürt dem Michel Angelo unbe- 
zweifelt der Vorrang; indessen hat doch Rafael die Grösse 
seines Genies dadurch bewiesen, dass er noch, nachdem 
er die Werke seines gewaltigen Nebcnbuhlers gesehen, den- 
selben Gegenstand auf eine Weise zu behandeln wusste, die 
zu neuer Bewunderung hinreisst und durch Schönheit der 
Bildungen jene übertrifft. 
Geringer in der Auffassung und schwächer in der Aus- 
führung sind die vier Propheten in der Capelle Chigi. Am 
ergreifendsteix durch den Ausdruck seiner Begeisterung ist 
der links sitzende junge Prophet Daniel. Er hält eine Tau 
fel und schaut nach derjenigen, welche der neben ihm in 
priesterlicher Kleidung abgebildete König David hält. Auf 
dieser steht geschrieben: „Ich bin auferstanden und bin 
noch bei dir. "t Zur andern Seite des Fensters steht ein 
zum Ilimmel emporschauender Prophet, welcher für Jonas 
gehalten wird, da neben ihm der Prophet Hosea sitzt, und 
er nach den auf einer Tafel stehenden Worten zeigt: „G0tt 
wird ihn erwecken nach zwei 'l'agen am dritten Tag", wel- 
che sich auf die Auferstehung Christi nach drei Tagen be- 
ziehen, wie Jonas vorbildlich drei Tage im Bauch des Wall- 
fiSßhes zugebracht. In der Ausführung ist dieses Fresco- 
bild der Propheten so abweichend und gering, so flach in 
den Charakteren und todt in der Carnation gegen das sich 
unmittelbar darunter befindliche Gemälde der Sibyllen, dass
        

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