Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510434
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Der 
Prophet Jesqjas. 
sajas die Nachahmung der Art des Michel Angelo sowohl 
in der Hauptfigur, als in der Disposition der beigegebenen 
zwei Knaben unverkennbar bezeugt, so ist dagegen nicht 
zuzugeben, dass Rafaefs Kunst dadurch gewonnen habe; im 
Gegentheil nöthigt uns dieses Frescobild das Geständniss 
ab, dass es eines der unbedeutendsteil Wlerke ist, welches 
der Meister in Rom ausgeführt und dass er in demselben statt 
in Michel Angelds grandiose Derbheit, ins Schwerfällige, 
statt in dessen eigenthümliche Idealität, ins Flache verfallen 
ist. Rafaells Individualität, welche der des Michel Angelo 
ganz entgegengesetzt war, erscheint erst dann wieder in 
.ihrer ganzen Herrlichkeit, als er von seines Nebenbuhlers 
Art sich völlig losriss. In wiefern aber zuzugestehen sei, 
dass des Florentiners grossartige Auffassungs- und Behand- 
lungsweise auf den Urbinaten eingewirkt und dessen Kunst 
zu höherer Vollkommenheit entwickeln half, hatten wir schon 
früher Gelegenheit zu beleuchten. Da auch über das Jahr, 
in welchem Rafael den Propheten Jesajas gemalt, VCTSChlQ- 
dene Ansichten aufgekommen sind, so glaube ich hier noch 
folgendes darüber sagen zu müssen. Zwei Anhaltspunkte 
bieten sich zur Zeitbestimmung dar: Erstens die Inschrift 
an der Marmorgruppe von Andrea Sansovino vom Jahr 1519, 
welche Gorizius nach der griechischen Aufschrift beim Pro- 
pheten zu gleicher Zeit wie die Malerei hatte fertigen las- 
sen. Zweitens ein in Fresco gemaltes Wappen Jnlius II, 
welches sich ehedem über einem Kamin in einem der Ge- 
mächer Papst Innocenz VIII in _Vatican befand und von 
zwei Knaben gehalten wurde, welche nach denen beim Pro- 
pheten von Rafael genau copirt, sind. Da nun Julius II 
am 21. Februaclölß starb, so kann die Entstehung des 
Wappens sowohl, als auch die des Propheten Jesajas nicht 
wohl später als zu Ende des Jahrs 1512 fallen. Bei Ver- 
grösserungi des Vaticaniseheil Museums brach man den Ka- 
min ab, zuvor aber wurden die beiden, das Wappen hal- 
tenden Knaben herausgesägt und gegen Kupferstiehe von 
Marc Antonio in 'l'ausch gegeben. Einen davon erwarb der 
verstorbene Maler Wicar, der ihn der Akademie von S. Luca 
vermachte. Leider hat er sehr gelitten und ist stark iibermalt.
        

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