Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510426
Der 
Prophet Jesajas. 
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Anna fiir die Kirche S. Agostino ausführen und an einem 
der Pfeiler des lilittelschifes aufstellen. Rafael erhielt den 
Auftrag, an den obern Theil des Pfeilers den Propheten Je- 
sajas in Freseo zu malen, welchen er auch um 1512 aus- 
fiihrte. Allein nach dem Bericht des Vasari schlug er ihn 
wieder herunter, als er die Decke der Capelle Sixtina von 
Miehel Angele  gesehen hatte, und aufs lebhafteste da- 
von ergriffen nun suchte in seines Nebenbuhlers Art einen 
andern Propheten Jesajas auszuführen. Vasari aus unbedingter 
Vorliebe für seinen Meister Michel Angele lobt dieses Ge- 
mälde als weit vorzüglicher denn das frühere, und sagt, 
dass Ilafaefs Behandlungsart, nachdem er die des Floren- 
tiners kennen gelernt, ausserordentlich an Grossartigkeit ge- 
wonnen und dass er seinen Figuren seitdem mehr Majestät 
gegeben habe. Obgleich nun das Bild des Propheten Je- 
1) Es ist wohl hier an seinem Orte die Frage zu beleuchten, 
wann und in wie viel Zeit Michel Angelo die Decke der Capelle 
Sixtina gemalt, da die Nachrichten des Condivi und Vasari unglaub- 
lich lauten und im oifenbaren Widerspruch mit Thatsachen stehen. 
Michel Angelo vollendete im December 1507 die Statue Julius II in 
Bologna und stellte sie auf dem Platz vor dem Stadthaus auf. Er 
kam daher im Anfang des Jahrs 1508 nach Rom und dürfte bald 
nach der Ankunft RafaeVs, auf Veranlassung des Bramaxite, vom 
Papst den Auftrag zur Ansmalung der Decke der Capelle erhalten 
haben. Dieses wird um so wahrscheinlicher, als wir aus dem am 
3. Juni 1509 vollendeten Buche des Francesco de Albertino, de Mi- 
rabilibus Rornae, ersehen, dass damals schon die Malereien des Mi- 
chel Angele in der Capelle Sixtina dem Publicum zugänglich waren. 
(Siehe Carlo Fea Notizie p.  WVollen wir darunter auch nur 
einen kleinen Theil der ganzen Decke annehmen, so fällt diese Zeit 
doch schon ausserordentlich frühe. Dagegen erfolgte die Vollendung 
nicht so schnell, als man nach den Angaben obiger Schriftsteller 
glauben sollte, indem Paris de Grassi in seinem Diario berichtet, 
dass die Capelle auf den Christtag 1512 noch nicht von den Gerü- 
sten. befreit war. (Siehe Pungileoni p. 151.) Folglich müssen wir 
wemgstens vier Jahre annehmen, während welchen Michel Angelo 
mit dieser Arbeit beschäftigt war. Um indessen die WVahrheitsliebe 
Seiner Biographen zu retten, ist anzunehmen, dass er während 20 M0- 
naten , aber nicht ununterbrochen an der Decke gemalt, die übrige 
Zeit aber Zur Fertigung der Entwürfe und der Canons verwendet habe. 
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