Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510320
Hafaefs 
hohe 
Darstellungsgabe. 
169 
Sahen wir nun in der Schule von Athen das erste Auf- 
treten des malerischen Styls in Rafaels Werken, so kömmt 
er auf noch weit entschiedenere Weise in dem auf die 
Jurisprudenz bezüglichen Bilde zum Vorschein. Über- 
haupt Erinnern die schönen, grossartig behandelten Gestal- 
ten der Tngenden, von lieblichen Genien umgeben, ihrer 
Behandlungsart nach, an ein anderes Frescogemälde Ra- 
fael's, an die Sibyllen in der Capelle Chigi der Kirche 
S. Maria della Pace, welches Vasari bald nach Vollendung 
des ersten Zimmers im Vatican entstehen lässt. Auch die 
beiden untern Gemälde mit der Übergabe der Pandecten 
und Decretalen sind breit behandelt, indessen haben sie 
durch einen verfehlten Versuch in der Mischung des Be- 
wurfs so sehr an den Farben gelitten, dass sie jetzt ganz 
erblasst Scheinen. Glücklicher Weise ist im obern Bilde 
mit den allegorischen Figuren noch keine Spur dieses Ver- 
sehens sichtbar, wohl aber kommt es wieder an der Decke 
des nächsten Zimmers vor. 
Überschauen wir nun noch einmal die an Ideen reich- 
haltigste grosse Gesammtheit der Gemälde RafaePs in dem 
Zimmer della Segnatilra, so müssen wir erstaunen, wie der 
herrliche Künstler von einer Weltanschauung ausging, durch 
welche er das Höchste in dem Christen- und Heidenthum 
aufzufassen und darzustellen vermochte; wie er mit einer 
Erkenntniss und Tiefe des Geistes abstracte Ideen in le- 
bendig ansprechende Formen und Bilder zu bringen ge- 
wusst!  Es stört uns daher nicht, wenn solche, die an 
tiefsinnigen Werken der Kunst kein Behagen finden, dieses 
erhabenste Werk RafaePs als der bildenden Kunst unange- 
messen betrachten, und diejenige seiner Werke vorziehen, 
welche entweder nur eine rein historische Thatsaehe oder 
eine heitere, die Sinne ergötzende Naturanschaiunig dar- 
stellen. Beides kann in der bildenden Kunst, wie im Leben 
nebeneinander bestehen; aber es wäre ein Zeichen beschränk- 
ten Geistes, oder Herzens, oder beides, die höchsten Ge- 
gßllStällde mit denen der Geist des Menschen sich beschäf- 
tige" kalms 8118 dem Gebiete einer seiner edelsten Thätig- 
keiten, dem der bildenden Kunst, ausschliessen, die Freude
        

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