Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510302
Einfluss 
das 
Michel 
ßingclo. 
167 
gesetzter Richtung stand, so folgt natürlich daraus, dass, 
wenn jener etwas von Miehel Angelo angenommen, dieses 
nur ein einzelner Theil der vielseitigen Vorzüge WYIIH Wo" 
mit Rafael Seinen Geist bereicherte, und diese Erwerbung" 
selbst sich nach seiner Individualität umwamlelll musste. 
Auch verdankt er seinen wahrhaften Ruhm nirgendwie der 
Nachahmung seines Nebenbuhlers, wie denn u. a. das Bild 
des Propheten Jesaias in der Kirche S. Agostino, in dem 
die Art des Michel Angelo am entschiedensten hervortritt, 
keinesweges als eins der gelungnern Werke llataeks jetzt 
mehr betrachtet wird. Dieser Einfluss auf Rafael erscheint 
indessen erst, nachdem derselbe den zuerst vollendeten Theil 
der Deckenmalerei in der Sixtinischeil Capelle gesehen hatte, 
was mit den letzten Arbeiten llafaefs in dem Zimmer della. 
Segnatura zusamlnenfällt I); denn obgleich dieser schon des 
Michel Angele Carton in Florenz gesehen hatte, so bemer- 
ken wir doch in seinen Werken jener Zeit nicht den ge- 
ringsten Anklang an jenes Darstellungsweise, was vielleicht 
dem Umstande zuzuschreiben ist, dass der grosse Floren- 
tiner sowohl IiafaePs Meister Perugino, als auch dessen 
Freunde Francia mit Verachtung begegnet war, was natiir- 
licherweise eine Abneigung gegen Michel Angeln bewirken 
musste. In Rom indessen, wo RafaeFs edler Geist in gross- 
artigern Umgebungen auch eine grossartigere Richtung nahm, 
konnte er sich der vollen Anerkennung des mächtigen Ge- 
nius nicht länger mehr entziehen. Als er daher, entweder 
wie Vasari berichtet, noch vor allen andern von Bramante 
in die Capelle Sixtina heimlich eingelassen wurde, oder als 
er mit dem Publicum der zur Hälfte vollendeten Decke an- 
sichtig wurde, machten diese Werke des Wichel Angelo einen 
mächtigen Eindruck auf ihn und erölfneten ihm einen tie- 
fern Blick in das erhabene Ziel der Kunst. Zur Unter- 
1) Dass auf die Christtage von 1512 die Capelle Sixtilna noch 
nicht von den Gerüsten des Michel Angelo befreit war, ergibt sich 
RUS dem Diario des Paris de Grassis, worin aufgezeichnet ist: 1512. 
I" Vißma N  Pontifex voluit vesperis interesse in Cappella Six- 
tina    - Süd quia nun erat ubi possenxus ponere thalamum et so- 
lium ejus, dixit, ut illud facerem ego modo meo.
        

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