Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510291
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Michel Angela. 
des 
Einfluss 
ner vollkommenen, durch den Geistnverklärten Natur offen- 
bar wurden, bestehen nun hauptsächlich die Vorzüge der 
grossen Meister zu Anfang des 16. Jahrhunderts, Diese 
Kunst, welche sich auf die tiefste Anschauung und gründ- 
lichste Kenntniss stützt, ist es allein, welche den wahrhaft 
grossen malerischen Styl erzeugt. Schon Leonardo da Vinci, 
dann Giorgione und andere besassen sie; aber im höchsten 
Grade war sie Rafael zu eigen. Diesem malerischen Styl, 
der den Antiken ilngekannten Seite der Kunst, huldigte auch 
Michel Angclo, daher er bei allerAusbildung des plasti- 
schen Theiles der Kunst und der tiefen Kenntniss des 
menschlichen Körpers, doch vielmehr einer malerischen, 
starke Gegensätze suchenden, als einer plastischen, in stil- 
ler Grösse und Einfalt sich gefallenden Richtung folgte. 
Seiner Malerei fehlte zwar eins der llanptelemente der mo- 
dernen malerischen Kunst, das Ilelldunkel, da er in der 
Färbung nur das allgemein Charakteristische, in der Beleuch- 
tung das Massenhafte beachtete; allein betrachten wir die 
Art der Composition seiner Badenden im Carton zur Schlacht 
mit den Pisanern, sodann die Decke der Sixtinischen Ca- 
pelle und endlich sein jüngstes Gericht, so erblicken wir 
darin in steigender Progression das malerische Princip ge- 
gen das plastische immer vorherrschender. Diese überwie- 
gende Neigung zum Malerisehen offenbarte sich selbst frühe 
in seinen Bildhauerwerkcn, wodurch er an der Spitze der 
allgemeinen Richtung seiner Zeit die Sculptur schnell auf 
den verderblichen Abweg führte, auf welchem sie an 300 
Jahre zu immer tieferem Verfall des Styls herabgesun- 
ken ist.   
Dass nun Michel Angele als der ältere Meister, der 
in Florenz und Rom neben Rafael seine schönsten Werke 
ausführte, nicht ohne Einfluss auf letztern' bleiben konnte, 
liegt in der Natur der Sache und wird auch, wenn gleich 
mit zu viel Vorliebe für Michel Angelo, von Vasari be_ 
richtet. Da indessen die Individualität des Urbiners, in 
welcher sich das ganze Reich der Geister und der Formen 
spiegelte, von der des Florentiners, der überall nur als Er 
selbst in überwältigender Grösse hervortritt, in entgegen-
        

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