Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510287
Beurtlzcilzeng 
der 
F rescubilzl er. 
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Leichtigkeit und Schärfe der Beurtheihuig er die von sei- 
nen in die Geschichte der Philosophie cingcweihten Freun- 
den erhaltenen Mittheilungen auffasste und in Form und 
Bild zu bringen wusste. Iliedurch erwarb er, als ein phi- 
losophischer Geist und Künstler, die vollen Ansprüche zu 
der Stelle, die er sich in dem Bilde eingeräumt. Höchst 
bewundrungswiirdig ist er auch in der Wahl oder Anwen- 
dung des antiken Costums, welches er, obgleich (lamals 
weit weniger antike Sculpturen und Malereien als in unsern 
Tagen bekannt waren, dennoch mit mehr Geschick und 
Freiheit im antiken Sinn behandelte, als es seitdem bei 
ausgebreiteterer Kenntniss in der Regel geschehen ist. Hin- 
sichtlich der Auffassung und Darstellung hat Rafael in dieser 
Malerei sich zu einem nach allen Richtungen hin so gross- 
artigen Styl erhoben, dass das Werk als das ausgezeichne- 
teste, welches der göttliche Meister je hervorgebracht, an- 
gesehen wird. Und mit Recht,  denn in ihm verbindet 
sich die aus der ältern Schule herüber-gebrachte Strenge mit 
der mehr malerischen Richtung neuerer Zeit; die Compu- 
 sition hat noch jene antike Gemessenheit oder Symmetrie 
der Anordnung, welche Rafael in den Malerschulen des 
14. Jahrhunderts in Siena und Florenz hatte keimen lernen 
und wie sie selbst noch sein Meister Perugino beobachtete. 
Dabei sind die Charaktere alle tief empfunden und von 
der grössten Mannigfaltigkeit, aber nicht portraitma-ssig be- 
handelt; denn nun in die Tiefe der Charakteristik einge- 
hend, beachtete Rafael den allgemeinen geistigen Charak- 
ter, mit Vermeidung aller Zufälligkeiten, wie wir sie im 
gewöhnlichen Leben treffen. Er erreichte auf diese Weise 
im höchsten Grade das, was bei dem Aufschwung der 
Kunst in Italien die alten Meister hauptsächlich anstrebten, 
die Verkörperung der Idee. Hiermit verband er aber auch 
zuerst durchgängig jene freiere, lehendigere Behandlungs- 
weise in den Bewegungen, in der Gruppirilng und in der 
breitern Beleuchtung der Massen, welche mit der Benennung 
des malerischen Styls bezeichnet wird. In dieser Verbin- 
dung der Strenge und der Freiheit, in der KenntniSS (168 
Einzelnen und des Allgemeinen, wodurch die GrundtyPßIl e?
        

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