Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510274
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der 
Bem-ilzeilzeozy 
Wescobilder. 
ausgezeichnet; einzelne 'I'heile sind selbst ilniibertreflbar 
colorirt, z. B. der Kopf des h. Gregor von kräftiger, glühen- 
der Farbe. Ebenso ist die Harmonie im allgemeinen sehr 
gelungen, welcher Theil in der Frescomalerei einer der 
schwierigsten ist, sobald es sich von grossen Flächen 
handelt. 
Schon mehr aus einem Gusse ist das Bild des Parnas- 
ses, obgleich es sich in der technischen Behandlung noch 
sehr an die des vorhergehenden Bildes der Theologie an- 
schliesst und selbst ilicht mit der durchgehenden Sorgfalt 
wie jenes vollendet ist. lm Styl des Faltenwurfs und in 
der Vertheilung der Liel1t- und Schattenmassen herrscht 
indessen im allgemeinen schon ein grossartigeres Princip. 
Die Zeichnung ist durchweg edel; nur im Apollo sind die 
"Linien der Bewegung keinesweges angenehm, wie denn über- 
haupt der Charakter dieser Figur als verfehlt zu betrach- 
ten ist. Von eigenthümlicher Grazie und grossem Reiz sind 
dagegen die Musen in ihren abwechselnden Charakteren, 
ihren anmuthigen Bewegungen und ihrer schönen Grup- 
pirung. _ 
Als Meister, der seines Stoffes sowohl, als auch der 
technischen Behandlungsweise gleichmässig Herr geworden, 
erscheint nun Rafael in der Schule von Athen. Was in 
dieser Darstellung den gelehrten Theil im engern Sinne des 
Wortes betrifft, so ist anzunehmen, dass er hauptsächlich 
von dem grade damals in Rom anwesenden Grafen Casti- 
glione herriihre, dem also auch ein untergeordnetes Ver- 
dienst dabei zukommt. Allein mit welcher Wahrheit und 
Lebendigkeit hat Rafael einen der bildenden Kunst beinahe 
widerstrebenden Gegenstand dem Sinne anschaulich ge- 
macht! Wie klar und sprechend hat er die schwierige 
Aufgabe gelöst, die- Eiltwicklung der alten philosophischen 
Schulen durch eine scharfe Bezeichnung des Charakters ei- 
nes jeden einzelnen Philosophen und dessen Verhältniss zu 
denjenigen, mit welchen er in einer geistigen Beziehung 
steht, so klar und sprechend vor Augen zu stellen, dass 
wohl keine Schrift es mit einem Zuge so übersichtlich zu 
thun im Stande ist. Hiedurch zeigt Rafael, mit welcher
        

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