Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510268
Beurtlzeilung 
F rescolzilder. 
där 
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wehende Schönheit begeistern, lassen andere, so schön 
sie auch componirt sind, kalt und der Ausführung nach 
unbefriedigt. Dahin gehören z. B. die allegorische Fi- 
gur der Gerechtigkeit und das Urtheil des Apollo. Es 
ist daher wohl kaum zu bezweifeln, dass sich Rafael bei 
diesen Nebenbildern schon in diesem ersten Zimmer der 
Hülfe von Schülern bediente. 
Dagegen können wir irgend eine bedeutende Mitwir- 
kung Anderer an den Ilauptbildern keineswegs zugestehen, 
sondern müssen diese im Wesentlichen ganz von Bafaefs 
Hand ausgeführt glauben. Was die Zeit der Ausführung 
dieser Werke betrifft, so wurde schon bemerkt, und es ist 
auch jetzt allgemein anerkannt, dass Rafael die Stanzen 
des Vatican mit dem grossen Bilde derTfheologie angefan- 
gen. Dieses erweist sich eben sowohl durch die mehr por- 
traitartig gehaltenen Figuren, nach Art der iiorentiner Schule 
des 15. Jahrhunderts, und der noch alterthümlichen Weise 
der erhoben aufgetragenen Goldverzierungen, die indessen 
dem Bilde einen sehr angemessenen feierlichen Charakter 
.geben, als auch durch die Art der Ausführung selbst. Ob- 
gleich nämlich das Bild mit innigster Liebe und Sorgfalt 
behandelt ist, vcrräth es jedoch im 'l'echnischen noch den 
Mangel meisterlicher Freiheit. Beim Fortarbeiten an dem- 
selben gewann Rafael indessen schon eine grössere Übung, 
was auf der untern Seite rechts besonders auffällt, daher 
dieser Theil auch weit weniger der spätem Naehhülfe von 
Schraflüungeil mit 'l'emperafarben bedurfte. 'l'rotz dieser 
Ungleichheit in der Ausführung gehört dennoch dieses Werk 
zu den ausgezeichnetsteil dieses grössten der Meister, da 
es in der sinnvollen, klaren und harmonischen Anordnung 
einer überaus reichen Composition, an Adel der Gestalten 
und ihrer schönen Gruppirung, an Tiefe und Lebendigkeit 
der Charakteristik, genug in Allem, was aus der Tiefe des 
Gemüths entspringt, von keinem Werke der neuern Kunst 
übertroffen wird;_ im Verhältniss zur antiken Kunst aber, 
nach der im Bilde entfalteten tiefern christlichen Anschauung, 
einen Y0n jener unerreichbaren Reichthum seelenvoller Cha- 
raktere besitzt. Auch in der Färbung ist es schon sehr 
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