Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510256
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Die 
Panclelrlen 
DecTetalezz. 
und 
knienden 'I'ribonianus die Pandekten und den Codex als 
allgemeine Richtschnur übergebend. Mehrere Rechtsge- 
lehrte, meist Portraite in der zur Zeit des Künstlers üb- 
lichen Amtstraeht, umgeben ihn, und zwei derselben halten 
zwei Bücher, die sich auf die durch denselben Kaiser ge- 
gebenen neuen Constitutionen und dessen Institutionen be- 
ziehen. In dem Bilde gegenüber sitzt der Papst in Ponti- 
ticalibus und übergibt einem Consistorialadvocaten die durch 
den Dominicaner Raimondo Pennaforte auf sein Geheiss 
gesammelten Decretalen, als das bei den geistlichen Gerich- 
ten gültige Gesetz. Statt des Bildnisses Gregors IX aus 
dem erleuchten Hause de" Conti von Anagni, hat Rafael 
seinen Gönner den Papst Julius II. vorgestellt, und in 
den ihm den Mantel haltenden Cardinälen_portraitirte er 
Giovanni de' Medici, nachmals Papst Leo X und Antonio 
del Monte, Oheim Julius' III; weiter hinten steht Alessan- 
dro Farnese, der späterhiti als Paul III den päpstlichen 
Stuhl bestieg. 
Diesem der Jurisprudenz gewidmeten Gemälde schliesst 
sich noch, nach der Seite der Theologie, das schon er. 
wähnte kleine Zwischenbild des Sündenfalls an, welcher ja 
die Ursache aller auf Erden nöthigen Gesetze ist. Auf 
diese Weise wäre nun der in sich zusammenhängende Kreis 
geschlossen, in welchen Rafael mit wundervoller Klarheit 
und Meisterschaft die Darstellung der Hauptrichtiltigen alles 
menschlichen Wissens und Erkennens in bildliche Form zu 
bringen wusste. Bei der gegenwärtigen Betrachtung indes- 
sen wurde, um den Zusammenhang der Gegenstände nicht 
allzusehr zu unterbrechen, manches Beachtenswerthe kaum 
oberflächlich berührt, künstlerische Beleuchtungen blieben 
aber ganz ausgeschlossen. Wir wollen nun das Versäumte 
in etwas nachzuholen trachten. 
Von den Bildern der Decke, welche erst nach Vollen- 
dung des grossen Wandgemäldes der 'I'heologie ausgeiührt 
wurden, ist im allgemeinen zu sagen, dass sie unter sich 
sehr ungleich sind; denn während einige, z. B. die allego- 
rische Figur der Poesie und der Sündenfall, Rafaefs geist- 
volle Behandlungsweise zeigen und durch die alles durch-
        

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