Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510161
Die 
Sch-zzle 
Athen. 
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an solche wandte, die noch keine verkehrte Richtung durch 
falsche Bildung erhalten hatten. Ein weiter im Hinter- 
grund stehender Zuhörer des Sokrates möchte wegen des 
seine Locken deckenden Laubkranzes den ältern Aristipp 
vorstellen sollen. Zu Cyrene im Wohlleben erzogen, witzig 
und gewandt, kam er mit einem starken Hange zum sinn- 
lichen Genuss zu Sokrates, der diese Naturbeschalfenheit 
nicht auszurotten, sondern sie zu veredeln vermochte. Aris- 
tipp wurde Stifter der Cyrenäischen Schule und setzte die 
Bestimmung des Menschen in den Genuss des Vergnügens 
mit Geschmack und Freiheit des Geistes, darum nicht ohne 
Selbstbeherrschung und Tugend. So wurde seine Philoso- 
phie ein Unterricht in der Kunst, das Leben zu geniessen. 
Neben ihm und am nächsten bei Sokrates steht ein mit 
dem Ellbogen auf das nahe Gesimms sich stiitzender- Jüng- 
ling, der ganz in dessen Rede vertieft scheint. Er dürfte 
einen derjenigen vorstellen, in deren schöner Bildung der 
Philosoph auch eine schöne Seele erkannte und deswegen 
auf der Strasse mit seinem Stabe anhielt, um sie für höhere 
Weisheit zu gewinnen. Höchst wahrscheinlich selbst ist es 
Xenophon aus Athen, des Sokrates Lieblingsschüler, der 
uns Denkwiirdigkeiten und eine Apologie ueines göttlichen 
Lehrers hinterlassen, welche zugleich das treuste Bild des 
Letztern entwerfen und ebendamit dengrossen Historiker 
zugleich als vertrautesten Schüler desselben uns zu erken- 
nen geben. Zu dieser Gruppe von Zuhörern gehört auch 
noch ein gemeiner Mann, vielleicht der arme Wursthändler 
Aeschines, einer der anhänglichstexi Verehrer des Sokrates, 
der nachmals einer der berühmtesten Redner wurde, und 
deshalb hier sehr passend in oratorischer Geberde, die so- 
phistischen Scheinredner abweisend dargestellt wäre. Den 
rechten Arm ausstreckend, scheint er sie gewissermassen 
abwehren zu wollen, als erkenne er in ihnen s'chon jene 
gottlosen Scheinverehrer der alten Götter, welche den wahr- 
haft religiösen Weisen der Gottlosigkeit lind Jugendverfülh 
rlmg anzuklagen sich ansohickten, und nicht abliessen, bis 
der, den das Pythisclle Orakel „den weisvesten aller Meu-
        

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