Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510158
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Die 
Schule 
Athen. 
1'071 
Im vordem halb entblössten, mit Schriften herbeiei- 
lenden Manne könnte Diagoras von Melos, der Freigelassene 
und Schüler des Demokrit, dargestellt sein. Er wirdzu den 
Sophisten gerechnet und musste wegen seines berüchtigten 
Atheismus Athen verlassen. Die beiden andern bei Diago- 
goras stehenden Sophisten sind wohl Gorgias aus Leontium, 
Schüler des Empedokles, und Kritas aus lAthen, der den 
Ursprung der Religion aus der Politik ableitete und sich 
als ein beständiger Gegner des Sokrates erwies. 
Gegen diese herzlosen und geldsiichtigeil Sophisten trat 
Sizktnlßäsaus Athen (470 Jahre vor Christus geboren), einer 
der ehrwiirdigsten Weisen und sittlich edelsten Menschen, 
in die Schranken und bekämpfte sie zugleich durch seinen 
graden Sinn, seine Ironie und seine aus dem reinsten Ge- 
fühl und dem sonnenlichten Verstand geschöpfte Weisheit. 
Der Inhalt seiner aufs Praktische und Religiöse gerichteten 
Lehren lässt sich in die Worte fassen: „ Religion ist Ver- 
ehrung Gottes durch Rechtthun. Der höchste Gott ist ein 
unsichtbares Vernunftwesen, Urheber aller Ordnung, all- 
mächtig, und ein gerechter Belohncr der Tugend und Be- 
strafer des Lasters. Die Seele ist ein Gott ähnliches We- 
sen. Sie nähert sich Gott durch die Vernunft und ihr un- 
sichtbares Wirken und ist daher auch unsterblich. "  Diese 
seine Lehren trug er öffentlich vor, und führte die Philosophie 
von der Speculation ins praktische Leben ein, oder, wie Cicero 
sagt, „v0m Himmel in die Wohnungen der Menschen." Auch 
sehen wir ihn hier vor dem gemischtesten Publicum leh- 
rend und wie er einen Schluss nach dem andern folgerecht 
an den Fingern abzählt, bis zum schlagenden Punkte, wo- 
durch er seine qluhiirer unwiderstehlich zu den unerwar- 
tetsten Zugeständnissen zwang. Der vordere vor ihm ste- 
hende junge Mann in kriegerischer Rüstung stellt den schö- 
nen Alcilliades vor, der, obgleich vielfach allem Sittlichen 
IIohn sprechend, dennoch mächtig von den Lehren des 
Weisen angezogen wprde. Nach ihm, sehr aufmerksam 
auf Sokrates  horchend, steht, Seiner Bekleidung 
nach zu nrtheilen, ein dem Gewerbstaml angehöriger Bür- 
ger, wie denn der erhabene Weise am liebsten seine Rede
        

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