Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510138
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Die 
Schule 
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Athen. 
fiihrt, woraus die Sage entstanden, er habe die Lehre der 
Kategorien erfunden. In dem weiblichen Profil erblicken 
wir wahrscheinlich Theano, des Pythagoras Gattin. Sie hält 
zwei Finger ihrer Hand empor, vielleicht die von Pytha- 
goras erfundenen doppelten Consonanten angebend. Der in 
die Tafel des Pythagoras herabblickende Mann mit Knebel- 
ibart und Turban möchte wohl dessen Schiiler Alkmäon aus 
Krotona in Grossgriechenland vorstellen, der ein ausgezeich- 
neter Arzt und Physiker war  
Am äussersten Ende der Gruppe rechts, gewisser- 
massen als Gegensatz zur idealistischen Philosophie des Sa- 
miers, sehen wir, als Repräsentanten der lonisehen Natur- 
philosophie, den tiefsinnigen Heraklit aus Ephesus, der um 
509 vor der christlichen Zeitrechnung lebte. Seiner grossen- 
theils schwer verständlichen Lehren wegen wurde er schon 
friihe der Dunkle (ozoruvog) genannt. Seiner Art und 
Weise gemäss sehen wir ihn in einer Kleidung von düster 
grauer Farbe bei einem Postamente sitzen, in tiefes Nach- 
denken versunken und eine Feder in der Hand haltend, 
seine speculativeu Ideen iiber das Wesen der Dinge, über 
Natur und menschliches Leben, die von seinen Zeitgenos- 
sen so wenig verstanden wurden, für die heller sehende 
Nachwelt  Plato, Aristoteles und die Stoa  aufzu- 
zeichnen. 
Zwischen Pytägnlas und Ileraklit steht zu ersterem 
gewendet Amxagnms, der Freund des Perikles. Dadurch 
dass er seiner ersten Bildung nach der Ionischen Schule 
angehört, aber zuerst den Geist (Nous) als weltbildend der 
Materie iiberortlnet, bildet er das Verbindlnlgsglied zwischen 
Heraklit und Pythagoras und den Übergang zur-Ethik der 
Sokratischen Schule, weshalb ihn auch Rafael unmittelbar 
1) Diese Figur hält man auch, ihrer allerdings den Griechen 
fremden Bekleidung wegen, für Averroes, einen Araber des 12. Jahr- 
hunderts, und glaubt hiedurch die Verdienste dieses Volkes um die 
Rechenkunst und der von ihnen erfundenen Zahlenzeichen angedeu- 
tet. Es ist aber nicht wahrscheinlich, dasg Rafael hier, wo er die 
Häupter der griechischen Philosophenschnlen darstellen wollte, jenen 
Fremdling eingeschoben habe.
        

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