Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510117
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Die 
Schule 
1'071 
Athen. 
in diesem Zimmer vollendete, bezieht sich, wie schon be- 
merkt worden, auf die Philosophie, und wird gewöhnlich 
die Schule von Athen genannt. Es stellt dieses berühmte 
Bild eine Versammlung von Philosophen der alten Wielt in 
einer weiten prachtvollen Ilalle dar, die in Forschung und 
Demonstrationen begriffen, und in verschiedene Schulen 
geordnet, uns ein überraschend klares Bild des Lebens der 
Philosophie vor Augen stellen. Da nun von Athen aus sich 
hauptsächlich die Wissenschaften über Europa verbreitet 
haben und in dem Bilde fast ausschliesslich griechische 
Philosophen dargestellt sind, so erscheint obige Benennung 
keinesweges unpassend. Ferner ist angenommen worden, 
dass Rafael bei der Ilauptdisposition in dem obern Theil 
der Composition, oder auf dem durch vier Stufen erhöhten 
Plan, die Repräsentanten der höhern Philosophie und un- 
terhalb in dem Vorgrund die Lehrer der Arithmetik, Geometrie 
und Astronomie versammelt habe, welche letztere Wissen- 
schaften in der. Republik des Plato als Vorbereitung zur 
Philosophie anempfohlen werden. Allein bei näherer Be- 
trachtung des Werkes, und da wohl anzunehmen ist, dass 
bei Bestimmung und Anordnung der darzustellenden Perso- 
nen die damals sehr verbreiteten zehn Bücher des Dioge- 
nes aus Lacrte, Nachrichten von berühmten Philosophen 
enthaltend  dürften gedient haben, bin ich des Dafür- 
haltens, dass unser Meister vielmehr in dem Gemälde der 
Schule von Athen den Entwicklungsgang der Philosophie 
bei den Griechen habe veranschaulichen wollen. Wir er- 
blicken nämlich, auf der linken Seite des Vordergrundes 
beginnend, die ältern philosophischen Schulen um Pytha- 
goras gruppirt; Sokrates mit seinen Anhängern und Geg- 
nern bildet den Übergang zu Plato und Aristoteles, welche 
von ihren Schülern umgeben, in der Mitte des Bildes ste- 
1) Die erste gedruckte Ausgabe dieses Werkes erschien in Rom, 
die zweite in Venedig bei N. Jenson 1475. fol. und führt den _Ti- 
tel: Diogenes Laertii de vitis, dogmatibus et apophthegnnatibns cla- 
rorum philosophorum. Bei den nachfolgenden Angaben bediente ich 
mich auch Tennemann's Grundriss der Geschichte der Philosophie 
nnd des Handbuchs der Geschichte der Philosophie von T. A. Rixner.
        

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