Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510095
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Der 
Parnass 
begleitend. Die neun Musen, in zweiSehaaren getheilt, um- 
geben ihn zunächst. Es sind höchst anmnthigc Gestalten, 
 die aber ihrer besondern Bestimmung nach wenig charakteri- 
sirt sind, da die antike Darstellungsweise zu RafaeFs Zei- 
ten nicht so genau wie gegenwärtig gekannt war. Etwas 
zur Linken singt der blinde IIomer die alten Ileldensagen, 
welchem ein Jüngling aufmerksam zuhört, um sie auf die 
Papyrusrolle, welche er auf seinem Knie hält, aufzuzeich- 
nen. Hinter Homer steht, neben einem andern mit Lorbeer 
gekrönten Dichter, "Virgil, der nach dem Gott der Musen 
hindeutend, im Gespräch mit dem ihm zugewendeten Dante 
begriffen scheint. Auf derselben Seite im Vorgrund stehen 
neben der herrlichen Gestalt der sitzenden Sappho aus Mi- 
tylene drei lyrische Dichter. im Gespräch mit der thcbani- 
sehen Corinna, deren schönes Haar in vollen Massen die 
Schultern umwallt. Es sind Alcäus, Anakreon und Petrarca. 
Gegenüber im Vorgrunde rechts sitzt Pindar in begeister- 
ter Rede zu Horaz gewendet, der bewundernd zu ihm her- 
antritt. Die zwei darauf folgenden Dichter sind Portraite, 
von denen das eine den Antonio Tebaldeo vorstellen dürfte. 
Etwas ferner sieht man Ovid im lebhaften Gespräch mit ei- 
nem der drei im IIintergrund stehenden Poeten, von denen 
zwei den neuern Italienern angehören. 
Ersehen wir nun schon aus dieser kurzen Angabe, dass 
dieser Parnass eben sowohl ein italienischer, als ein anti- 
ker ist, so werden wir durch die Behandlungsweise noch 
viel mehr in einen der geistreiehen, höhern Zirkel Italiens 
der damaligen Zeit versetzt: Überall begegnet uns darin 
italienische Sitte, Grazie und Lebendigkeit; selbst Apollo, 
der hier statt mit der Lyra (zwar gegen des Meisters er- 
sten Entwurf) mit der Violine seinen Gesang begleitet, er- 
innert uns an die zu jener Zeit übliche Art der Improvi- 
satoren. Wahrscheinlich wurde Rafael (durch den Papst 
oder sonst einen hohen Gönner, welcher auf diese Weise 
das Andenken an einen solchen Virtuosen verewigen wollte, 
dazu bewogen; und da Baldassare Castiglione in seinem 
Cortegiano mit besonderer Auszeichnung das musikalische 
Talent des Giacomo Sansecondo rühmt, so dürfte zu des-
        

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