Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510086
Jllarvsygs 
verurtheilt. 
Die 
Poesie. 
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auch ihn von seiner irdischen Hiille zu befreien und seine 
Brust mit seinem göttlichen Geiste ganz zu erfüllen, um 
so die himmlischen Bilder im Paradiese besser erkennen 
und beschreiben zu können. Leichter ist es, die Bezie- 
hung des Bildes auf die Poesie zu deuten: Der Sieg des 
Apollo ist der der wahren Kunst über die falsche, und die 
göttliche Strafe diejenige, welche dem Vergehen gebührt, 
eine göttliche Gabe nicht ihrer Bestimmung gemäss, nicht 
zur Veredlung des Menschen und der Verherrlichung Got- 
tes angewendet zu haben. In der Darstellung hat Rafael 
statt eines Scythen, der nach der antiken und auch ihm 
bekannten  Darstellungsweise das Urtheil an Marsyas voll- 
zieht, einen mit Epheu bekränzten Hirten gewählt; ein an- 
derer ist im Begriff den Gott mit Lorbeer zu krönen. 
Als Überschrift zum Parnass dient die allegorische Fi- 
gur der Poesie; eine herrliche Gestalt von hinreissender 
Schönheit und überhaupt eine der gelungensteil, welche je 
durch die Kunst ist gebildet worden. Sie" sitzt geliügelt in 
Wolken auf einem mit Masken, als Symbol der dramati- 
schen Dichtkunst, gezierten Marmorsessel, und hält die ih- 
ren Gesang begleitende Lyra und einen Band mit Dichtun- 
gen in den Händen. Ihr Haupt mit dem Laub des Milsen- 
gottes bekränzt, das mit Sternen geschmückte Schulterband 
und ihre weit ausgebreitete Schwingen deuten auf ihren 
Flug in höhere Regionen, wohin sie auch den Blick ihres 
blendend schönen Antlitzes begeistert wendet. Zn ihren 
Seiten sitzen zwei kleine Genien, Tafeln mit den Worten 
haltend: "Sie wird von der Gottheit angeweht" (numine 
afüatur). 
Das unter diesem Bilde belindliche grosse Wandge- 
mälde zeigt uns den Parnass, welchen sowohl die grossen 
antiken, als auch neuere italienische Dichter unter sich thei- 
len. Apollo sitzt in einem Lorbeerhain an der zu seinen 
Fiissen entspringenden Quelle Ilippokrene, und stimmt sei- 
nen himmlischen Gesang an, ihn mit einem Saiteninstrument 
1) Siehe den Kupferstich nach RafaePs Zeichnung vom Meister 
des Würfels; Bartsch. P. G. XV. p. 206. Nr. 81. 
l. 10
        

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