Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1510036
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Das 
Bild der 
Theologie. 
Das der allegorischen Figur der Theologie entsprechende 
grosse Wandgemälde ist das erste, welches Rafael im Va- 
tican ausgeführt, und wird gewöhnlich nach einer verworre- 
nen Angabe des Vasari mit dem Namen Disputa bezeichnet. 
Nach seinem Hauptinhalt ist es aber vielmehr ein Bild der 
Coneordanz, sowohl der im Himmel auf das Erlösungswerk 
hinweisenden heiligen des alten und neuen Bundes, als der 
Versammlung der Theologen auf Erden, welche das ge- 
heimuissvolle Sacrament des Leibes und Blutes Christi be- 
trachtend, sich in ihm vereinigt fühlen. Wie im Himmel 
der Heiland selbst, so bildet im untern Theil das ausge- 
stellte Sacrament des Altars den Mittelpunkt des Bildes, da 
es in tiefster Beziehung mit der Menschwerdung und dem 
Opfertode Christi,. wie mit der Erlösung und Wiederverei- 
nigung des gefallenen Menschengeschlechts mit Gott steht, 
und diesemuach sowohl die tiefsten Lehren der göttlichen 
Dinge in sich schliesst, als sie nach der christlichen Glau- 
benslehre den wahren Mittelpunkt aller Theologie aus- 
macht. 
Im obern Theil des Himmels erblicken wir die heilige 
Dreieinigkeit: Gott Vater über Allem, umgeben von Se- 
raphim und Cherubim und den Schaareu der Engel, welche 
von Ewigkeit zu Ewigkeit das „Heilig, heilig, heilig i" sin- 
gen. Unter ihm in der Mitte des Kreises seiner Offen- 
barung thront Christus der Heiland. und tiefer fliegt, von 
Christus gesendet, der heilige Geist als Taube zur Mensch- 
heit herab. Zur Rechten Christi sitzt die in Demuth an- 
betende h. Jungfrau, und zur andern Seite der auf den 
Messias hindeutende Täufer Johannes. Etwas tiefer im wei- 
tern Halbkreise sitzen ebenfalls auf Wblken Patriarchen, 
Propheten und Märtyrer, als Repräsentanten der Gemein- 
schaft aller Heiligen. Auf jeder Seite, an beide letztere 
sich anschliessentl, sind es deren sechs, so immer die hei- 
lige Siebenzahl darstellend. Zur Rechten Christi, von dem 
äussersten Ende des Halbkreises anfangend, ist zuerst der 
Apostel Petrus zu nennen, welcher die h. Schrift und zwei 
Schlüssel hält, zur Andeutung, dass ihm vor Allen die 
Bewahrung der heiligen Glanbenslehren und die höchste
        

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