Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509870
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Fra 
Rafael und 
Bartolozzzeo. 
worfen, als freie Ergüsse seines reichen Geistes zu betrach- 
ten sind, die aber seiner künstlerischen Entwicklung ein 
eben so grosses Bedürfniss waren, als das Ringen nach 
höchstgr Vollendung und Durehbildung. Andrerseits ge- 
währte ihm diese Verfahrungsweise den Vortheil, verschie- 
denartigen Allfßrllßruugen Genüge zu leisten, und hiedurch 
die Mittel zu erwerben, um sich in eine behagliche äussere 
Lage zu versetzen. In dieser Zeit seiner sich entfaltenden 
Blüthe machte llafael die nähere Bekanntschaft mit dem ihm 
an Jahren überlegenen Dominicaner Fra Bartolomeo di 
S. Marco, welcher, nachdem er längere Zeit die Malerei 
aufgegeben, sich ihr wieder zugewendet und ein grosses, 
herrlich colorirtes Gemälde in der Marcuskirche ausgestellt 
hatte  Nachmals erstand es König Franz I. Da nun Ra- 
fael an dieses Meisters schöner Art zu coloriren ungemei- 
nes Wohlgefallen fand, so suchte er dessen Bekanntschaft. 
Beide gewannen eine solche Freundschaft zu einander, 
dass sie viele angenehme Stunden zusammen verlebten und 
ihre Kenntnisse gegenseitig austauschten. Rafael, der schon 
unter Pietro Pcrugino ausgezeichnete Kenntnisse in der 
Perspective erworben hatte, theilte sie dem Fra Bartolomeo 
mit, und dieser dagegen unterwies ihn in seiner grossarti- 
geuAnordnung der Gewänder, seinem breitern Auftrag der 
Farben und in seiner schönen Behandlungstveise der Car- 
nation. Ja, der junge Urbinate, nach der Leichtigkeit sich 
das Vortreffliche, wo er es sah, anzueignen, und im hin- 
gebendeu Eilthnsiasmus für seinen neuerworbenen Freund, 
ahmte_d.essen ganze Art und Weise so sehr nach, dass die 
Tafel, welche er damals für den Altar der Familie Dei in 
S. Spirito zu Florenz in Arbeit hatte, bei dem ersten flüch- 
tigen Anblick für ein Werk des Frate könnte gehalten wer- 
den. ln dem Bilde zeigt sich uns in einer mit Säulen ge- 
1) P. Serafino Razzi, Istoria degli uomini illustri Domenicani. 
1596. p. 366: „l'anno 1500, 26 Luglio (Fra Bartolomeo) si vestä 
frate  . .   dopo quattro anni riprese Parte del (lipingere, Siehe 
auch Vasari im Leben des Künstlers. 
        

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