Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509843
[Madonna 
Cowpe-r. 
Colomza. 
121 
Glück hat. Mit welcher Innigkeit (lriickt hier die Mutter 
das Kind an ihre Brust, im Begriff ihre Liebe mit einem, 
mit tausend Küssen zu besiegeln!  Rafael aber, nach seinem 
feinen Gefühl für das Angemessene, malte, so viel Madon- 
llellblltlßf er auch entwarf, nie den Moment des Kiissens 
selbst, als etwas zu Irdischcs und in der Idee gewisser- 
massen jene Ehrfurcht verletzendes, welche bei der wärm- 
sten Liebe der heiligen Mutter, doch dem göttlichen Kinde 
gebührt.  
Ein Madonnenbild von ausgezeichneter Schönheit und 
geistreieher Behandlung ist auch das aus dem Hause Nic- 
colini in Florenz, nun im Besitz des Grafen Cowper in 
seinem Landsitz Penshaugar. Es ist mit der Jahrszahl 1508 
bezeichnet und, wenn auch ungenügend, in meiner „Kunst- 
reise durch England" abgebildet. Maria, fast im Proiil ge- 
sehen, betrachtet hier liebreich das Jesuskixld, welches auf 
einem Polster in ihrem Schosse sitzt und lächelnd den Be- 
Schauer ansieht. Dieser bis an das Affectirte streifende 
Ausdruck des Kindes ist dem ähnlich, welchen wir schon 
beiden zwei Engeln in dem Frescogernälde in S. Severo 
angetroffen haben und in nachfolgendem Madonnexlbild aus? 
dem Hause Colcnna wiederfinden werden. 
Diese jetzt im Berliner Museum befindliche h. Jung- 
frau ist übrigens eine überaus graziöse Gestalt von leich- 
ter, sozusagen momentaner Bewegung. Ein Büchlein zum 
Lesen in der einen Hand, fasst sie mit der andern das 
Christkind, welches anmuthig in der Bewegung, sich an 
dem Brustsaxim des Kleides seiner lllutter hält. Das Bild, 
ein freier Erguss der Phantasie, sehr flüchtig aber geist- 
reich behandelt, ist noch weniger ausgeführt als das oben 
erwähnte, oder vielmehr es ist eines von jenen Bildern, 
welche Rafael unvollendet in Florenz zurüekliess, als er den 
Ruf nach Rom erhielt. ln den „Italienisehen Forschun- 
gen" ist die llleinung aufgestellt, dass dies das Bild sein 
könne, welches nach Vasari iür einen Edelmann in SiCIIa 
bestimmt war, und an dem llidolfo Ghirlandajo den blaue"
        

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