Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509831
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Zwei Bildnisse 
in 
Paris. 
litz dem Licht des Himmels zu, von dem ihr die Weisheit 
gekommen, durch die sie die der Weisen dieser Erde zu Schan- 
den gemacht. Das herrliche Bild ist zwar nicht mit so 
strengem Studium, als die Grablegung vollendet, sondern 
nach vorbereitenden, noch vorhandenen Entwürfen, mit ei- 
ner höchst geistreichen Leichtigkeit behandelt, die bei Ra- 
fael's grossem Talent; so bezaubernd ist und, als ein fast 
unmittelbarer Erguss seines Genies, oft seiner studirteren 
Behandlungsweise vorgezogen wird. Das Bild ist durch den 
allerdings schönen Stich von Desnoyers dem Publicum be- 
kannt; allein auch hier bestätigt es sich, dass jeder Kupfer- 
stich nach einem grossen Meisterwerk immer nur ein un- 
genügendes Abbild ist, und dass, wenn man demnächst das 
Original ansichtig wird, man beinahe etwas noch ungekann- 
tes zu erblicken glaubt. 
In diese, wenn nicht in eine etwas frühere Zeit, ist 
auch die Entstehung eines Portraits zu setzen, welches in 
Zeichnung und Haltung sehr an die Behandlungswveise des 
Leonardo da Vinci erinnert. Es befindet sich im Pariser 
Museum, und zeigt einen jungen Mann, wie er sich auf 
ein Gesimms auiiehut und ernst -nachdenkend, beinahe 
scluvermüthig aus dem Bilde sieht; eine Stimmung, wel- 
.che durch den dunkeln Ton der schwarzgekleideten Figur, 
die sich auf einen hellen landschaftlichen Grund absetzt, 
noch sehr erhöht wird. 
Einen heitern Eindruck macht dagegen in demselben 
Museum das überaus anziehende Bildniss eines Jünglings 
mit blonden Haaren und blauen Augen, der seinen Kopf 
ungezwungen auf deni Ellbogen stützt und anmnthsvoll in 
jugendlicher Unbefangenheit nach dem Beschauer sieht. Das 
etwas flüchtig, aber mit Sicherheit behandelte Bild ist wohl 
in einer spätern, wenn auch noch in der Florentiner Epoche 
entstanden.  
Von grosser Lieblichkeit ist auch jenes Madonnenbild 
aus dem Hause Tempi, nun- im Besitz des Königs von Baiern, 
welches zwar durch viele Kupferstiche bekannt ist, aber 
neu an Reiz ercheint, wenn man es selbst zu sehen das
        

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