Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509725
Georg 
1506. 
109 
auch auf ihn einen grossen Einfluss ausgeübt, da er sowohl 
mit dem Herzog, als auch mit dessen hohen und gelehrten 
Gästen in freundlichem Verhältniss gelebt. Dieses bezeu- 
gen verschiedene Stellen im Buche des Cortegiano, z. B. 
die, wo der Graf Lodowieo da Canossa gegen Christoforo 
Romano behauptet, dass die Malerei eine vollkommnere 
Kunst, 315 die Bildhauerei sei, und Graf Castiglione dazwi- 
schentretend zu ersterm sagt: „Wahrhaftig, ich glaube ihr 
sprecht jetzt gegen eure eigene Überzeugung, und dieses 
nur zu Gunsten euers Rafaefs; vielleicht auch scheint euch, 
dass die Vortrefflichkeit, die ihr in ihm und seiner' Malerei 
erkennt, alles iibertriiit, was in Marmor noch geleistet wor- 
den ist; bedenkt aber, dass dieses das Lob eines Künstlers 
und nicht das der Kunst ist"    .  Worauf der Graf 
da Canossa lächelnd erwiederte: „lch spreche nicht zu Gun- 
sten Rafaels, auch solltet ihr mich nicht für so unwissend 
halten, die Vortrefilichkeit eines Michel Angelo und an- 
derer Bildhauer nicht zu kennen." u. s. w. 
So sehr indessen auch der Herzog Guidubaldo das 
Talent RafaePs anerkennen mochte, so war er doch in sei- 
nen Vermögensunlstänlden so beschränkt, dass er ihm auch 
diesmal nur kleine Aufträge ertheilen konnte. Zuvörderst 
nennen wir ein zweites Bildchen eines S. Georg, welcher 
auf einem weissen Pferde dahersprexigend, den Drachen 
mit einer Lanze ersticht, während die Königstochter in ei- 
nem waldbewachsenen Felsengrund kniet und in angstvol- 
lem Gebet ihre Wünsche und Hoffnungen zum Himmel sen- 
det. Unter dem rechten Knie trägt der junge Held das 
Band des S. Georgordens. Der Herzog liess nämlich das 
Bildchen als ein Geschenk für HeinriehVll König vonEng- 
land malen, welcher ihm (wie schon Eduard lV seinem" 
Vater dem Herzog Federieo) bei Gelegenheit der Gesandt- 
schaft an Papst Jnlius ll das Kleid und den Orden des 
blauen IIOSCIIbEIIIdGS durch den Abt von Glastonbury und 
Gibert Talbot gesendet hatte  Graf B. Castiglioxie er- 
 _1) Der S. Georg- oder Hosenbandordeu wurde von Eduard III 
Komg von England im Jahr 1349 gestiftet. Er besteht nur aus
        

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