Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509698
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Pictro 
Bembzfs 
Rede. 
die sein, welche entspringen aus der Quelle der hohen und 
wahren Schönheit, die der Ursprung einer jeden andern 
Schönheit ist, die immer schön, nie wächst und nie ab- 
nimmt, nur durch sich selbst in vollkommener Einfachheit 
sich allein gleich ist, von nichts anderm abhängig, aber auf 
eine Weise schön, dass alle andere schöne Dinge nur schön 
sind, weil sie an ihrer Schönheit Theil haben. Das ist 
jene Schönheit ungeschieden von der höchsten Güte, welche 
mit ihrem Licht alle Wesen ruft und zu sich zieht, und 
nicht nur den geistigen den Geist gibt, den vernünftigen 
die Vernunft, den sinnlichen den Sinn und die Lust zu le- 
ben, sondern auch den Pflanzen und den Steinen, als eine 
Spur ihrer selbst, die Bewegung mittheilt und den ihrer 
Natur eigenthümlichen Instinkt. S0 viel grösser und be- 
gliickender nun ist diese Liebe über die andere, als die Ur- 
sache, die sie erregt, vorzüglicher ist. Und gleichwie das 
materielle Feuer das Gold läutert, so zerstört und verzehrt 
dieses heiligste Feuer in den Seelen, was noch sterbliches 
in ihnen ist, und belebt und verschönt jenen himmlischen 
Theil, welcher früher durch die Natur der Sinne fast er- 
storben und begraben war. Dies ist der Scheiterhaufen, auf 
welchem, wie die Dichter schreiben, Hercules auf dem Gi- 
pfel des Berges Oeta verbrannte und dadurch göttlich und 
unsterblich geworden sei; das der feurige Busch Mosi; die 
gespaltenen Feuerzungen; der feurige Wagen des Elias, 
das Feuer, welches die Gnade und Glückseligkeit in den 
Seelen (lerjeuigen verdoppelt, welche würdig sind es zu se- 
hen, wenn die Seele, von diesem irdischen Elende schei- 
deud, den Flug zum Ilimmel nimmt."  
„Richten wir also alle Gedanken und Kräfte unserer 
Seele nach diesem heiligsten Lichte, welches uns den Weg 
zeigt, der zum Himmel tiihrt, und indem wir auf demselq 
ben uns von den Neigungen entkleideu, mit denen wir im 
Hinabsteigen angethan waren, steigen wir auf der Leiter, 
welche auf dem untersten Grade den Schatten der sinnli- 
chen Schönheit einnimmt, zu dem erhabenen Gemach, in 
welchem die himmlische, liebliche und wahre Schönheit 
wohnt, die in den geheimsten Sitzen Gottes verborgen ist,
        

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