Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509686
Pietro Bembds 
Reale. 
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glaubt die Spur Gottes gefunden zu haben. In der Betrach- 
tung desselben nun sucht sie wie in ihrem seligen Ende 
sich auszuruhen; und glühend in dieser beglückelldßll Flamme 
erhebt sie sich zum geistigen Schauen (intelletto); und hier, 
weiter nicht von der Dunkelheit der irdischen Nacht um- 
schattet, sieht sie die göttliche Schönheit. Indessen ge- 
niesst sie sie auch dann noch nicht völlig, denn sie be- 
trachtet sie nur mit ihrem besondern Vermögen zu schauen, 
das nicht vermag die unermessliche, allgemeine Schönheit 
(bellezza universale) zu fassen; daher mit diesem Glücke 
noch nicht zufrieden, gibt der Seele die Liebe noch grös- 
sere Glückseligkeit, welche von der besondern Schönheit 
eines Körpers sie zu der allgemeinen Schönheit aller Kör- 
per iiihrt. S0 gelangt sie, im höchsten Grad der Vollkom- 
menheit des besondern Schauens , zu dem allgemeinen 
Schauungsvermögen (intelletto universale). Von hier fliegt 
die Seele, entzündet vom heiligen Feuer der wahrhaft gött- 
lichen Liebe, sich mit der Engelsnatilr zu vereinigen, und 
verlässt nicht nur völlig die Natur "der Sinne, sondern be- 
darf auch nicht mehr der 'l'hätigkeit des Verstandes. Denn 
in einen Engel verwandelt, erkennt sie alle erkennbare Dinge 
(cose intelligibile), und sieht ohne Schleier und ohne Wolke 
das unermessliche Meer der reinen göttlichen Schönheit. 
Sie nimmt es in sich auf und geniesst diese höchste Glück- 
seligkeit," welche durch die Sinne unerlässlich ist." 
„Wenn nun die Schönheiten, welche wir täglich mit 
unsern werfinsterten Augen in den mergänglichen Körpern 
sehen, die doch nichts anders als nur höchst schwache Zei- 
chen und Schatten der Schönheit sind, uns so schön und 
liebenswürdig erscheinen, dass sie zuweilen in uns ein so 
heftiges und entzückendes Feuer entzünden, dass wir glau- 
ben, keine Seligkeit könne sich mit der vergleichen, die wir 
manchmal bei einem einzigen Blick empfinden, der uns von 
dem geliebten Blick eines Weibcs kommt; welche be- 
glückende Bewunderung, welches beseligende Staunen müs- 
sen wir uns nun vorstellen, dass sich der Seelen bemäch- 
ligt, die zur Anschauung der göttlichen Schönheit gelangen. 
Welche süsse Flamme, welche milde Glut müssen nicht
        

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