Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509668
Der 
Huf zu 
Ürbino. 
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drea Gritti und Domenico 'I'riiisani;-alle durch Geburt und 
Kenntnisse ausgezeichnete Männer, deren jeder fiinf Söhne 
des Adels und viele Diener zur Begleitung hatte, so dass 
sich die Zahl der Fremden auf 200 Personen belief. Und" 
ter solchen Verhältnissen stand der Hof von Urbino da- 
mals in seiner schönsten Bliithe; und um noch ein anschalt- 
liches Bild des höhern gesellschaftlichen Lebens zu geben, 
welches auch auf ltafaelis Bildung einen entschiedenen Ein- 
fluss ausiibte, so stehe hier die Beschreibung einer der 
Abcndunterhaltungen, welche, nachdem der Herzog Kränk- 
lichkeit halber sich zurückgezogen hatte, in den Gemächern 
der Herzogin statt fanden. Sie ist dem schon öfters er- 
wähnten „Libro del Cortegiano" vom Grafen Castiglione 
entlehnt, und zeigt uns den geistreichen und liebenswürdi- 
gen Pietro Bembo, der, dazu aufgefordert, seine Ansichten 
über Schönheit und Liebe mittheilt  Der Graf Castiglione 
lässt ihn seine Rede beginnen mit Betrachtungen über die 
der Jugend eigenihiimliche, körperliche Schönheit und sinn- 
liche Liebe; und zeigt dann, wie die Schönheit der Seele 
der eigentliche Grund der leiblichen Schönheit sei; wie da- 
her die Liebc zur Seele weit edleren und dem reifern Al- 
ter wiirdigernjwienuss darbiete. Sehr gesteigert und ver- 
edelt werde aber die Liebe, wenn sie sich ein Bild der all- 
gemeinen Schönheit schaife, welche sie jedoch nie vollkom- 
men, sondern nur theilsveise in einzelnen Individuen finde. 
1) Seit Mitte des 15. Jahrhunderts war in Italien durch die 
flüchtig gewordenen" Griechen und besonders durch den Schutz, wel- 
chen sie bei den Medicäern in Florenz erhielten, das Studium 
der Platonischen Schriften wieder lebhaft in Aufnahme gekommen, 
und wurde auch von den schönen Geistern am Urbiner Hofe mit 
Eifer betrieben. Schon im Jahr 1505 hatte Pietro Bembo durch 
seine Gespräche über die Natur der Liebe (gli Asolani, von dem 
Schloss Azolo, wo er sie schrieb, so genannt) als ein geistreicher 
Verehrer des Plato sich Rulnn erworben, und nachfolgende Betrach- 
tung ist gleichfalls, der Hauptidee nach, dem Gastmal des Platon 
nachgebildet. Dass Rafnehs vertrauter Umgang mit diesen Männern 
auch auf dessen Ansichten Einfluss hatte, ist natürlich, und 059"" 
harte sich bei verschiedenen Gelegenheiten, wie wir später Sehe" 
werden.
        

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