Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509561
Älallonmc 
der 
Fiiclacrpalnze 
im 
Grünen. 
93 
und gewann zu dem jungen Rafael, den er hier kennen 
lernte, eine solche Zuneigung, dass er ihn beständig bei 
sich im Hause und zu Tisch haben wollte und sich ihm 
auf alle Weise gefällig erzeigte. Rafael dagegen, nach der 
Liebenswürdigkeit seines WVesens, wollte an Freigebigkeit 
nicht nachstellen undsuchte ihm seine Dankbarkeit dadurch 
zu bezeigen, dass er zwei Madonnenbilder für ihn malte, 
von denen das eine, unter dem Namen der Jungfrau im 
Grünen bekannt, sich vollkommen erhalten in der Bilder; 
gallerie des Belvedere zu Wien befindet. Das andere glaube 
ich in der auf eine runde Tafel gemalten h. Familie bei 
der F ächerpalme zu erkennen, welches aus der Gallerie 
Orleans in die des Herzogs von Bridgewater zu London ge; 
kommen ist. In der Ausführung beider Bilder bestätigt sich 
Vasarfs Urthcil, welcher sagt: Rafael habe dem Taddeo 
Taddei zwei Bilder gemalt, welche noch etwas von seiner 
ersten Peruginischen und auch schon etwas von der andern 
bessern, durch das Studium in Florenz erworbenen Behanda 
lungsweise zeigten. 
Das Bild, die h. Jungfrau im Grünen genannt, zeigt 
uns Maria in einem reichen Wiesengrunde ruhend, wie 
sie in liebevoller Sorge das vor ihr stehende Jesuskind mit 
beiden Händen hält. Dieses neigt sich mit ilnausspreche 
licher Anmuth zu dem vor ihm knienden kleinen Johannes 
und fasst das Kreuzchen, welches dieser ihm darhält, in- 
dem er seinen göttlichen Gespielen gar trenherzig anschaut. 
Dieses Bild ist in Hinsicht auf den Entwicklungsgang Ba- 
fael's noch besonders merkwürdig, indem darin zuerst das 
Studium nach Leonardo da Vinci entschieden hervortritt, 
sowohl in der allgemeinen Ilaltung und dem bräunlichen 
Ton des Vorgrundes, als auch im Charakter der Zeich- 
nung. Besonders erinnern die Kinder und der Madonneu- 
kopf sehr au die jenem Meister eigenthiilnliche Weise, 
ohne jedoch zum Aifectirten hinzuneigen, wie dies bei den 
meisten Schülern des Leonardo der Fall ist, welche geist- 
lose, platte Nachahmer wurden; vielmehr ist es hier bei 
Rafael der Wiederschein einer lebendigen Auffassung der 
Eigenthümlichkeit des Leonardischen Geistes. Daher ist
        

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