Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509543
Zweiter 
Aufenthalt 
in Florenz. 
91 
sin Battista ein Aufgeld von 30 Ducaten. Allein obgleich 
Rafael damals für diese Altartafel jene schöne, reiche 
Zeichnung der Krönung Mariä scheint gefertigt zu haben, 
welche aus dem Palast Borghese in Rom nach London in 
den Besitz des nun verstorbenen Sir Thomas Lawrence ge- 
kommen, so hatte es doch zunächst hiebei sein Bewenden. 
Nichts konnte ihn mehr in Perngia zurückhalten, da sein 
Verlangen, in der Kunst fortzuschreiten, zu einer solchen 
unwiderstehlichen Sehnsucht heranwuchs, dass er sich wie 
mit Gewalt auf den Weg nach Florenz gedrängt fühlte, 
wo er allein Befriedigung zu finden hoffte. Denn in dieser 
Stadt, welche vor allen andern in Italien durch Kunst und 
Wissenschaft sich von Alters her auszeiehnete, war auch 
noch damals ein so reges Leben in den bildenden Kün- 
sten, und entwickelten sich so ausserordentliche Talente, 
dass Rafael es tief empfand, wie viel ihm grade in der 
gvichtigsten Entwicklungsepoche seines Lebens entgehn 
würde, wenn er sich mit dem beschränkten Kunstleben in 
Perugia begnügte, wo er nur Huldigung statt Belehrung 
fand. Lebhaft stand ihm wohl der Gedanke vor der Seele, 
welchen Göthe so schön in folgenden Worten ausgespros 
chen hat: 
Ein edler Mensch kann einem engen Kreise 
Nicht seine Bildung danken. Vaterland 
Und Welt muss auf ihn wirken. Ruhm und Tadel 
Muss er ertragen lernen. Sich und andre 
Wird er gezwungen recht zu kennen. Ihn 
Wiegt nicht die Einsamkeifmehr schmeichelnd ein. 
Es will der Feind, es darf der Freund nicht schonen. 
Dann iibt der Jüngling streitend seine Kräfte, 
Fühlt was er ist, und fühlt sich bald ein Mann. 
ln Florenz angekommen, wurde Rafael freudig von sei-. 
nen friihern Genossen empfangen, deren Eifer für die Stu- 
dien er durch Wort und That neu entiiammte, mit denen 
er vor den Werken Leonardis tiefer in die Geheimnisse 
der Kunst einzudringen, durch Belebung und Austausch 
der Ideen eine grössere Klarheit zu erstreben suchte. Letz- 
tßres fand besonders in miissigen Winterstunden ill der
        

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