Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509534
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Alturblalt für 
Zllanie 
Luce. 
gezeichnet schöne und würdige Charaktere, nur die Iilngel 
sind etwas geziert, wie dieses bei Rafael in seiner fio- 
rentinischen Entwicklungsepoche in einzelnen Fällen vor- 
kommt; sonst ist in diesem Gemälde sowohl die Darstel- 
lung, als die Zeichnung frei von aller Manier und die 
Haltung des Ganzen selbst weit grossartiger, die Gewän- 
der massiger und breiter gehalten, als in allen bis dahin 
ausgeführten Werken. Dieser entschiedene Fortschritt ist 
einestheils dem Studium der Werke des Masaccio zuzu- 
schreiben, anderntheils mag auch die Natur der Frescoma- 
lerei, die zu einer breitern Behandiungsweise nöthigt, das 
ihrige dazu beigetragen haben. Den untern Theil der Com- 
position behielVRafael sich vor späterhin auszuführen, sei 
es nun, dass die Jahrszeit schon zu weit vorgerückt war, 
oder dass es ihn drängte seine Studien in Florenz wieder 
aufzunehmen; wie dem auch sei, er verschob die Vollen- 
dung des Frescobildes, und ist leider auch in der Folge 
nicht dazu gekommen, diese Arbeit wieder aufzunehmen 
und zu beendigen. Erst nach seinem Tode wurde seinem 
Meister Perugino der Auftrag, den Theil der Wandma- 
lerei zu vollenden, welchen sein grosser Schüler unausge- 
führt gelassen hatte. Es scheint selbst kein Carton von 
Rafael dazu vorhanden gewesen zu sein, denn die sechs 
stehenden Heiligen, welche Perngino dazu malte, sind von 
dessen eigner Erfindung und geben nur zu sehr die Al- 
tersschwäche des Meisters zu erkennen. 
Einen andern bedeutenden Auftrag, welchen Rafael 
im September desselben Jahres 1505 erhielt, liess er vor- 
erst fast ganz unbeachtet. Die Klosterfrauen von Monte 
Luce bei Perugia wollten nämlich auf Veranlassung der 
damals schon verstorbenen Äbtissin Chiara da Procia für 
den Hauptaltar der Klosterkirche eine Himmelfahrt Mariii 
durch den besten Maler ausführen lassen, und übertrugen 
diese Arbeit, nach dem Rath der Bürger der Stadt und 
ihrer vorgesetzten Geistlichen, dem „Meister Rafael von 
Urbino", wie er, erst 22 Jahr alt, schon damals in dem 
noch erhaltenen Vertrag genannt wird. Er erhielt selbst 
aus den Geldern der Schwester Perinello durch die Äbtis-
        

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