Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509490
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des 
Jlladonna 
Herzogs 
Terrameo m. 
ein klares, aber tiefes Dunkel, aus dem die ergreifende 
Erscheinung kräftig und leuchtend hervortritt. Rafael hat 
in diesem Bilde verkörpert gezeigt, was Ilerder so schön 
ausgesprochen: 
Die höchste Liebe, wie die höchste Kunst 
Ist Andacht. Dem zerstreueten Gemüth 
Erscheint die Wahrheit und die Schönheit nie, 
Sie, die aus Vielem nicht gesammelt wird, 
Die, in sich Eins und Alles, jeden Theil 
Mit sich belebet und vergeistiget. 
Dieses Madonnenbild war lange Zeit ungekannt in Flo- 
renz verborgen, bis es der verstorbene Grossherzog von 
Toscana Ferdinand III erstand, und es als sein liebstes 
Eigenthum auf seinen verhängnissvollen Wanderungen stets_ 
bei sich führte, woher der Name des Bildes. Diese Zu- 
neigung, ja Verehrung für dasselbe scheint nun noch in 
grösserm Masse auf die jetzige Grossherzogin von Toskana 
übergegangen zu sein, da sie nach langem Sehnen dem 
Lande einen Erbpriuzen zu geben, unter Gebeten gegen- 
über dem himmlischen Bilde endlich die Erliillung ihrer 
Wünsche erlangte und sich nun von dessen Gegenwart im 
Schlafgemach nicht trennen will. 
Noch ein anderes schönes Madonnenbild aus dieser 
Epoche ist ein Rund, welches vielleicht seit seiner Ent- 
stehung sich in der Familie der Herzoge von Terranuova 
aus Genua, jetzt in Neapel befindet. Wir sehen hier Ma- 
ria von drei Kindern umgeben, wie sie voll Bewunderung 
sich nach dem kleinen Johannes wendet, der in liebenden 
Verehrung mit dem auf ihrem Schoose sitzenden Christ- 
kind einen Pergamentstreifen hält, auf welchem die Worte, 
„Ecce_Agnus Deif" zu lesen sind. Zur andern Seite steht (1.31- 
dritte heilige Knabe auf das Knie der Maria gelehnt, mit 
kindlicher Lieblichkeit nach dem Heilande hinaufschailend. 
Den Grund bildet eine niedere Mauerbriistung, über die 
man in eine felsige Landschaft sieht, in welcher eine al- 
terthiimliche Stadt liegt. 
Zu den wenigen Bildern, welche Rafael während sei-V 
nes ersten Aufenthalts in Florenz malte, gehört wohl noch
        

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