Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509426
Georg 
und 
Michael. 
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brett gemalt habe, das sich zu seiner Zeit in Fontaine- 
bleau befand. Dieses ist aber eine Verwechslung; denn 
obgleich sich jetzt noch ein S. Georg aus jener Epoche im 
Pariser Museum befindet, so ist doch nur dessen Gegen- 
stück, ein S. Michael, auf ein Damenbrett gemalt, den 
Lomazzo gleichfalls dabei zu erwähnen scheint, wenn er 
nicht darunter das grosse Bild des S. Michael in Paris ver- 
steht. Indessen halte ich mich iiir berechtigt anzunehmen, 
dass Rafael die beiden kleinen Bilder zu gleicher Zeit für 
den Ilerzog gemalt, und will sie hier etwas näher beschreiben_ 
S. Georg geharnischt auf einem weissen Pferde ein- 
hersprengend, hat gegen den Drachen schon seine Lanze 
zersplittert und ist eben im Begriff; ihm einen tödtlichen 
Streich mit seinem Schwerte zu versetzen. Im Grunde der 
felsigen Landschaft sieht man iiiehend die Königstoehter, 
nach der Legende Prinzessin Cleodelinde, welche auf die 
Kapadocierin hinzudeuten scheint, die S. Georg zum Chri- 
stenthum bekehrte. Sehen wir nun in dieser Darstellung 
einen jugendlichen, christlichen Streiter, der im Gefühl 
göttlichen Beistandes mit Zuversicht gegen das Unthier 
kämpft, so ist RafaePs Phantasie noch ergreifender in dem 
eigenthümlichen Bild .des von Gott gesandten Erzengels 
Michael, der in jugendlicher Fülle und Schönheitprangend, 
wie S. Georg in Eisen gepanzert und mit Schwert und 
Schild versehn, siegreich das fnrchterlichste der ihn 11m- 
gebenden Ungeheuer bekämpft. Kleinere Ungethiime in 
der nächtlichen Felsengegend sehen ergrimmt oder bedenk- 
lich dem Ausgang zu, ohne es selbst zu wagen sich gegen 
den göttlichen Helden in den Streit einzulassen. Die Dar- 
stellungen im Ilintergrund erinnern an verschiedene Bilder 
der Ilölle des Dante; so die in Flammen aufgehende Stadt 
des Zorns , von Dante im VIII. Gesang Citta di Dite genannt. 
Um sie schleichen geheimnissvoll verkappte Figuren, wel- 
che sich auf die mit Blei bedeckten Heuchler des XXIIl. 
Gesangs der Hölle beziehn  und zur andern Seite sieht 
Laggiü trovammo una geute dipinta 
Che giva intorno assai con lenti passi, 
Piagemlo, e nel sembiaxlte stanca e vinta-
        

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