Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509414
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auf dem 
(Wrislus 
Ülllerg. 
Totalwirkung berechnete, grössere Bild des Sposalizio bei 
weitem übertrifft. Übrigens ist auch das Bild für den 
Herzog noch ganz Perugiliisch, ja erinnert selbst einiger- 
massen an die (lemselben Gegenstand gewidmete, schöne 
Tafel des Meisters, welche aus der Kirche La Calza in 
die Gallerie der ldorentinischcn Akademie gekommen ist. 
Auch hier liegen im Vorgrund die drei schlafenden Jünger 
und hinter ihnen erhebt sich ein Iliigel", auf welchem Chri- 
stus kniet, und während ihm ein Engel den Leidenskelch 
darreicht, im Gebete ringt. Nur hat Rafaefs Schönheits- 
sinn die Anordnung in viel schönere Linien gebracht und 
eine grössere Feinheit in den Charakteren entwickelt. S0 
ist in Stellung und Kopf des I-Ieilandes dessen Schmerz 
und Ergebung sehr ergreifend ausgedrückt; in Petrus das 
lebhafte, eifrige Temperament nach hcrgebrachtem 'l'_ypus; 
in Jacobus das Jesusähnliche und Edle; in Johannes das 
sanft Liebevolle. Weniger gelang es ihm in den andern- 
Figuren gemeine und selbst teuflische Charaktere (larznstel- 
len. Denn auch dem Judas lschariot und der gewalfneten 
Schaar der Häscher, die man im Mittelgruizde erblickt, 
gab er liebliche und würdige Gestalten, und in Judas ist 
auch keine Andeutung von Verrath zu entdecken.  Das 
tiefere Reich der Geister war dem jugendlichen Künstler 
damals noch verschlossen und die ganze Welt spiegelte 
sich nur unschuldsvoll in seiner edeln Seele; nur himm- 
lische Chöre liessen ihre harmonische Accorde_ in ihr ver- 
nehmen.  Jenes Bildchen ist nun im Besitz" des Principe 
Gabrielli in Rom, der nach seiner zuvorkommenden Güte 
mir gestattete eine" Zeichnung davon fertigen zu lassen, 
so dass ich durch den hier beigefügten Kupferstich von 
Gruner (Tafel VIII) den Kunstfreunden die Bekanntschaft 
mit einem lange Zeit vergeblich aufgesuchten und in der 
Kunstgeschichte merkwürdigen Bilde von Rafael zu ver- 
schalfen im Stande bin. 
Noch erwähnt Gio. Paolo Lomazzo  einen S. Georg, 
welchen Rafael dem Herzog von Urbino auf ein Damen- 
In 
seinem : 
Trattato delP arte de'la pittura. Milano. 1584 p. 48.
        

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