Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509391
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Sebastian. 
Zzveile 
[Icise 
nach 
Ürbino. 
gemeinen indessen trägt des Bildes Charakter noch keine 
Spur eines andern als des Peruginischen Einllusses, was 
hier nicht unbemerkt bleiben darf, da es mit der Jahrs- 
zahl 1504 bezeichnet ist, und wir hierdurch über den Bil- 
dungsgang Rafaelis ein authentisches Document erhalten. 
In welchem hohen Anschn übrigens dasselbe schon in frü- 
hern Zeiten stand, beweisen die alten Copien, welche sich 
in_ verschiedenen Kirchen der Umgegend noch vorfinden. 
Dass sich das Original nun in der Gemäldegallerie der Brera 
in Mailand befindet, ist wohl bereits den meisten Lesern 
bekannt.   
Auch Graf Lochis in Bcrgamo besitzt ein Bildchen 
von Rafael, welches augenfallig zu derselben Zeit wie das 
Sposalizio entstanden ist. Es stellt das Brustbild eines 
bekleideten S. Sebastian mit einem Pfeil in der Hand vor; 
den Hintergrund bildet eine sorgfältig ausgeführte Land- 
sehaft, wie denn überhaupt das Bild mit vieler Zartheit be- 
handelt ist. Aus dem Hause Zurla zu Crema kam es an 
den berühmten, zu früh verstorbenen Kupferstecher Gius. 
Longhi in Mailand, bei dessen Erben ich es gesehen habe. 
Da Rafael sich nun auf der Wanderschaft befand, so 
drängte es ihn um so mehr wieder einmal seine Vaterstadt 
zu besuchen, als nach vielen Gefahren und Leiden sein 
vortreiflicher Landesherr, der Herzog Guidubaldo von Ur- 
bino in seine Lande wieder zurückgekehrt war. Denn es 
hatte sich ereignet, dass der natürliche Sohn des Papstes 
Alexander VI, Cesare Borgia, il Valentino genannt, nach- 
dem er den Herzog, unter dem Schein der Freundschaft, 
von 'l'ruppen und Geld entblösst hatte, auf verrätherische 
Weise in dessen Land gefallen war, und ihn wie mehrere 
seiner Bundesgenossen hätte erwürgen lassen, wenn der 
Herzog durch Freunde gewarnt, nicht noch zu rechter Zeit 
entliehen wäre. Nachdem aber das Jahr darauf am 17. 
August 1503 der Papst durch Gift war umgebracht werden, 
und seinSohn kaum einem ähnlichen Schicksal entging, so 
erhoben sich wieder überall die 'l'reugesinnten und bahn- 
ten ihren rechtmässigen Fürsten den Weg zur Rückkehr. 
So auch die Einwohner von Urbino, die bei der ersten
        

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