Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509380
Das 
Sposalizio. 
75 
stellungsweise, die hinlänglich zeigt, dass sie von Ietzterm 
herrühre, und ein schönes Zeugniss von der Anerkennung 
und der Dankbarkeit, welche der ältere Meister dem ihn 
überflügelnden jungen Mitschüler öffentlich zu widmen kein 
Bedenken trug. 
Zu Anfang des Jahrs 1504 treffen wir Rafael jetzt 
wohl förmlich aus der Werkstätte des Perugino getreten 
wieder in Citta di Castello, wo er für die Franciscanere 
kirche jene durch den Stich von Giuselzlae Longhi unter 
dem Namen Sposalizio bekannte 'l'rauung der h. Jungfrau 
gemalt. Sei es nun, dass gleich den alten Griechen, die 
ein lvorzügliches Meisterwerk als einen geheiligten Typus 
eines Götterbildes ansahen und für ihre Tempel oft wie- 
derholen liessen, auch die Klostergeistlichen dem Rafael die 
beschränkende Bedingung machten, ein dem berühmten Spo- 
salizio ähnliches Bild zu malen, welches Meister Perugino im 
Jahr 1495 für den Dom in Perugia gefertigt, oder dass 
Rafael selbst von der Vortrefflichkeit desselben so einge- 
nommen war, dass er es als ein heiliges Vorbild für die- 
sen Gegenstand betrachtete, genug, nach des Advocaten 
Giacomo Mancini  Angabe ist es gewiss, dass der junge 
Schüler in der Hanptanordnlmg seines Bildes, im Wesent- 
lichen die "seines Meisters zum Muster nahm. Doch er-l 
laubte er sich auch manche Ändrung, ordnete die Männer- 
und Weibergruppen auf die entgegengesetzten Seiten, und 
gab dem Tempel eine schönere Form nach- seiner Erfin- 
dung. Vasari rühmt mit Recht an demselben die wohlver- 
standene Linearperspective, die Rafael bei Perugino erlernt 
hatte, und auf besonders anmuthige Weise anzuwenden 
wusste, wie wir denn auch überzeugt sein dürfen, dass in 
der Schönheit der Formen und der Feinheit der Charaktere 
unser Bild bei weitem das des Perugino übertrifft. Im all- 
1) Giornule Arcadico 1826. XXXII. p. 559. Da das Bild des 
Perugino aus dem Dom durch die Franzosen fortgeführt wurde und 
müht wieder zurückkam, so war es mir nicht vergönnt aus eigne? 
Anschauung zu urtheileln. Es soll sich nun zu Caön in der N01" 
Illandie befinden.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.