Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509350
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Entwürfe für 
Pinturicclzirß. 
Florentiuer Gallerie. Eine andere, die fünfte in der Bei-- 
henfolge, und als solche von Rafaefs eigener Hand bezeich- 
net, sieht man im Hause Baldeschi zu Perugia. Sie stellt 
die Begegnung Kaiser Friedrichs III mit Eleonora von Por- 
tugal, seiner jungen ihm durch Äneas Sylvius angetrauten 
Gemahlin vor. Gleich der vorhergehenden und einigen an- 
dern einzelnen Studien zu diesen Compositionen ist auch 
diese sehr geistreich mit der Feder gezeichnet und mit Bi- 
ster schattirt. Das Costum ist wie billig jenes aus dem 
Ende des funfzehnten Jahrhunderts, aber mit Wahl und 
mit Geschmack einfach" in grossen Massen behandelt. In 
den Malereien dagegen finden sich viele unvortheilhaftejin- 
deruxlgen in einzelnen Theilen, besonders eine gewisse 
Überfüllung an Ornamenten und überflüssiger an der Hand- 
lung nicht theilnehmender Portraitliguren, woraus deutlich 
Ilervorgeht, dass Rafael keinen Antheil weder an den Car- 
tons, noch an der Ausführung gehabt habe. Überhaupt 
scheint er nie in Siena Arbeiten von Bedeutung ausgeführt 
zu haben, da in der Ilandschrift des Sigismondo Tizio über 
die Geschichte Sienas, welche er in den Jahren 1527 bis 
1550 schrieb, und worin er auch über die Maler, die frü- 
her in Siena Beschäftigung fanden, ausführlich berichtet, 
Rafaels Wirksamkeit an den Malereien des Pinturicchio auch 
nicht mit einem Worte erwähnt wird. Dieser Umstand und 
die steife Anordnung der im Dom in Fresco gemalten Krö- 
nung Pius III scheinen hinreichend, um den weitern Ge- 
rüchten zu widersprechen, nach welchen der Urbinate auch 
bei dieser Malerei nicht nur der Zeichnung, sondern selbst 
theilweise der Ausführung sich unterzogen habe. 
Hinsichtlich der Zeit, in welcher jene berühmten Ma- 
lereien im Saale der Chorbücher gefertigt wurden, ein Punkt, 
über den man sich bis jetzt nicht verständigen konnte, möge 
Nachfolgendes hier zur Erläuterung dienen: Dass die ge- 
wölbte Decke mit den Grottesken bereits vor dem 22. Sep- 
tember 1503, als Francesco Piccolomini nocll Cardinal war, 
vollendet wurde, erhellt aus dessen öfters darin angebrach- 
ten Wappen mit dem Cardinalshut. Dagegen zeigen die 
Pilastcr, welche die Wandgemälde untereinander trennen,
        

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