Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Rafael Von Urbino Und Sein Vater Giovanni Santi
Person:
Passavant, Johann David
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507921
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1509310
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Mrulonna 
des 
Grafen 
Sfafjh. 
geübtes Auge haben, die Bemerkung gemacht wurde, dass 
das Bild von den Wlerken des Perugino nicht zu unterschei- 
den sei. Indessen zeigt sich darin doch schon entschieden 
der vorwärts strehende Genius des zwanzigjährigen Künst- 
lers; denn nicht nur haben die zwölf um das mit Blumen 
gefüllte Grab der Maria stehende Apostel in ihren Stel- 
lungen etwas bewegteres, jugendlich affeetvolleres, als die 
[Figuren Peruginds zu zeigen pflegen, sondern es tragen 
auch die xicr musicirenden Engel im obern Theil des Bil_ 
des, wo die h. Jungfrau von Christus gekrönt wird, mit 
Bestimmtheit das Gepräge Rafaefs und unterscheiden sich 
merklich von denen in der Schule des Perugino üblichen. 
S0 haben auch die Köpfe der llauptligiirell schon eine ganz 
liafaelische Individualität, und durchweg sind die Charak- 
tere lebendiger, bedeutsamer, die ltormen zarter, die Ge- 
wänder in den Einzelnheiten besser durchgebildet. Da erst 
vor. wenig Jahren E. Stölzel einen braven Stich nach die- 
sem Bilde geliefert hat, so scheint hier eine genauere Be- 
schreibung desselben überflüssig; nur ist anzugeben, dass 
es nach einer Wiranderuxig nach Paris ins Musee Napoleon, 
in die Sammlung des Vatican gebracht wurde, wo sich auch 
die zugehörige lange Altarstaifcl, mit der Verkündigung, 
der Darbringung im Tempel und der Anbetung der Könige 
befindet: zierliche Bildchen, die immer durch kleine, fan- 
tastische Grottesken, roth auf schwarzem Grunde, von ein- 
ander gesondert sind. 
Um dieselbe Zeit wie die Krönung Nlariä, ist auch 
das köstliche Madonnenbildcheil entstanden, welches Rafael 
für den Grafen Staifa gemalt, und das noch alle Perugia 
besucheude Kunstfreunde im Hause des Grafen Conestabile 
della Staifa bewundert haben. Es zeigt uns die Mutter des 
I-Ieilandes von jungfräulicher Zartheit in einer Frühlings- 
landschaft wvandernd, worin die Bäumchen noch unbelaubt, 
die Berge der Ferne noch mit Schnee bedeckt sind. S0 
im Gehen liest sie nachsiuuend in einem Böchelchen, in 
welches auch das auf ihrem Arme ruhende Jesuskind auf- 
merksam hineinblickt. Es ist nicht möglich etwas liebrei- 
zenderes und mit grösscrer Zartheit ausgeiiihrtes zu sehn,
        

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