Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500576
christlichen 
Architektur des 
Zlll' 
Anweisung 
Cultus. 
89 
der Menschwerdung 
des Christenthums. 
Kapitel II. Zustand Judäzfs während 
Christi, und während der Ausbreitung 
Resultat: „Da während dem Leben des Heilands und während der 
heroischen Epoche des Christenthums   . alles Aeusserliche der Orte und 
Personen griechisch und römisch gestaltet war,    so muss in allen bild- 
liehen Darstellungen christlicher Kunst (der Verfasser schliesst die Archi- 
tektur mit ein). welche auf Wahrheit und vollkommene Harmonie des 
Geistigen und Plastischen Anspruch machen wollen, im Allgemeinen Alles, 
was äussere Form anbetrifft, nach antiker Art gebildet werden." Das 
heisst, in Bezug auf die historischen Verhältnisse, wie sie wirklich Waren 
und jedem Gebildeten bekannt sind (und abgesehen von der eigentlichen 
Plastik, die uns hier vor der Hand nichts angeht): Da das Chsistenthum 
in die Welt trat, als griechische Bildung dieselbe erfüllte, da es sich in 
den ersten Jahrhunderten seiner Verbreitung höchst feindlich sodann 
indifferent gegen die Werke der Kunst (der Architektur als 12111151, mit 
eingeschlossen) verhielt, und da es später, ehe sich jedoch irgendwie 
christliche Nationalitäten gebildet hatten, für seine liturgischen Zwecke 
sich dem zufällig Vorgefundenen nur accomodirte 1); so sind auch wir 
gezwungen, auf antike Weise zu bauen. Doch der Verfasser ist Künstler: 
es ist hier nicht der Ort, ihn als Logiker zu beurthcilen, 
Kapitel 
III. 
Vom 
allgemein gültigen 
tektur. 
Grundsatze 
der 
Archi- 
Hier nähern wir uns schon dem eigentlichen Felde des Verfassers; 
folgen wir ihm in seinen einzelnen Bestimmungen.  
„Architektur im ethischen Sinne ist die Kunst, Naturstoffe zu Zwecken 
der menschlichen Gesellschaft und ihrer Bedürfnisse so zu formen und zu 
vereinigen, dass die Art, wie die Gesetze der Stetigkeit, Erhaltung und 
Zvrecltniäissigkeit bei dieser Vereinigung befolgt werden, ihren Hervorbrin- 
gungen die möglichste Festigkeit und Dauer, bei dem geringsten Aufwande 
von Stoffen und Kräften gewährt."  Wie aus dieser ganz äusserlichen 
Erklärung die Besonderheiten der Formen und ihre gegenseitigen Verhält- 
nisse hervorgehen können, ist unbegreiflich. Nehmen wir ein Beispiel. 
Die Zwischenräume, in welchen die Säulen der griechischen Halle vonein- 
ander abstehen, müssten, nach der Bestimmung des Verfassers, nothwendig 
durch die Haltbarkeit des Gebälkes bestimmt werden. Bilden wir letzte- 
res aus Holz, so haben wir keinen Grund, die engen Säulenstellungen 
des griechischen Styles beizubehalten. Wie höchst widerwärtig aber eine 
Abweichung von dieser Regel erscheint, weiss jeder architektonisch Gebil- 
dete. Die Formen in ihrer Einzelheit, namentlich Gliederungen u. dergl-v 
lassen sich durch Obige Angabe noch minder begründen. Ferner: 
„Da aber das, was die architektonischen Formen bildet, die Gesetze 
der Statik und die Baustoffe    überall gleich sind; da überall Frost, 
Regen und Sonnenschein abwechseln, so muss es auch für die architek- 
1) Uud zwar auf eine solche Weise accomodirtu, das die liturgische Raum- 
einthailung, z. B. die Anorduunüg des Ohores (Yvov'u11_ San Clemente a1 monte 
Cgüo zu Rom noch am BBISPIGI 1st) fast ganz wlllkurlxch vorgenommen wurde,
        

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