Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500543
ichte, 
Kritiken, 
Erörterungen. 
Dichter 
und 
Maler. 
(Museum 
1834, 
N0 
Das heutige Blatt des Museums erscheint gleichzeitig mit der Eröff- 
nung der diesjährigen grossen Kunstausstellung von Berlin. Da jedoch 
Berichte über dieselbe füglich noch aufgeschoben bleiben müssen, so spre- 
chen wir einstweilen von einer andern Ausstellung, die ebenfalls seit Kur- 
zem eröffnet ist, nämlich von derjenigen, welche der neu erschienene 
deutsche 
Musenalmanach für das Jahr 1835, herausgegeben 
A. v. Chamisso und G. Schwab. 
VOD 
für die Dichter Deutschlands veranstaltet hat. Der Zweck unsres Blattes 
gestattet es nicht, Umfassendes und Allgemeineres über das zierliche Büch- 
lein zu sagen; dies überlassen wir Anderen und fassen nur die wenigen 
Punkte in's Auge, welche in näherem Bezüge zur bildenden Kunst stehen. 
Als künstlerische Ausstattung bringt der neue Almanach das Portrait 
Gustav Schwabe, von Karl Barth in seiner bekannten, geistreich tüchti- 
gen Weise in Kupfer gestochen. Hier jedoch müssen wir leider gestehen, 
dass der (ungenannte) Zeichner die Züge des verehrten Dichters, wenn 
auch nicht unähnlich, so doch ohne die ihnen eben eigenthümliche Beweg- 
lichkeit und Unbefangenheit aufgefasst hat; es ist etwas von einer gewissen, 
modisch vornehmen Haltung darin, das nicht ganz am rechten Orte zu sein 
scheint. 
Sodann begegnen wir unter der zahlreichen Menge der Dichternamen, 
welche das Büchlein enthält, verschiedenen, die uns ebenso im Fache der 
bildenden Kunst bekannt sind. Vor allen August Kopisch, dessen lei- 
denschaftliches neugriechisches Gemälde: „Psaumis und Puras", zu den 
allerbedeutendsten Gedichten der ganzen Summlung  und sie enthält sehr 
würdige Diclrternanrcxr  gehört. Andre dichtende Künstler sind, soviel 
wir wissen, Karl Barth, der Kupferstecher, und Robert Reinick. 
Unter der Menge der übrigen Gedichte stossen wir ferner gar nicht 
selten auf die anmuthigsten Bilder, die gewissermaassen nur eine Ueber- 
setzung von der Leinwand aufs Papier zu sein scheinen und die umgekehrt 
dem Maler mannigfaltige Motive zu bildnerischer Darstellung geben könn- 
ten. Vor Allen gehört hieher Carl May er. So oft wir lVlayers Dichtun- 
gen lasen, war es uns, als ob derselbe von Natur eigentlich zum Land- 
schaftsmaler bestimmt gewesen und nur durch zufällige Umstände dahin 
gebracht sei, seine Bilder mit WVorten zu malen. Auch seine diesmaligen 
"Reiseblätter" machen ganz den Eindruck, wie das reiche Skizzenbuch 
eines Malers; eine eigenthümliche, höchst unbefangene Auffassung der 
Natur spricht aus den geringsten seiner Reime. Wir theilen dem Leser 
nur ein Paar kleine Proben mit: 
Ruhepunkt. 
Die Alpen, silbergrau im Duft, 
Davor Fischreiher in der Luft, 
Des Sees sonnig blaues Grüssen,  
O welche Welt vor meinen Füssen!
        

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