Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500526
Berichte, 
Kritiken, 
Erü 
lterungen. 
originalen Kunstproduktes noch um ein Bedeutendes erhöht werde und 
nicht beschränkt werden dürfe. Aber man hat übersehen, dass es zugleich 
Wesentlich darauf ankommt, in Vervielfältigungen der Art den Geist des 
Originales möglichst rein zu erhalten. Gerade also die Sorge für Letzteres 
liegt dem Staate ob, sofern er überhaupt die Kunst in jener höheren Wirk- 
samkeit anerkennt. Und da bei dem wahren Künstler stets vorauszusetzen 
ist, dass ihm zunächst daran liegen müsse, sein Kunstwerk möglichst treu 
vervielfältigen zu lassen, so ist in solchem Unternehmen eben er oder der- 
jenige, an welchen dasselbe vertragsmässig übergegangen, durch rechtlichen 
Schutz zu sichern und zu fördern.  
 Indern also das geistige Eigenthum, das Recht an die im Kunstwerke 
enthaltene und auf eigenthümliche Weise ausgesprochene Idee, als bestim- 
mender Grund anzusehen sein dürfte, so erscheint dieses Recht gefährdet: 
durch unerlaubte Vervielfältigungen jeglicher Art, mögen dieselben (wie 
bei plastischen Werken) in unmittelbaren Abformungen bestehen, die nur 
das äusserlichste Handwerk, etwa des Formens und Giessens, voraussetzen, 
oder mögen es Nachbildungen sein, zu deren Fertigung bereits eine höhere, 
sogenannt künstlerische Technik erfordert wird. Es ist hiebei die Ver- 
kleinerung des Originales ebcnsowenig, wie, in Bezug auf plastische Arbei- 
ten, die Anfertigung der Nachbildung in anderem Stoff, und wie, bei 
Gemälden, die Reduction des Originales auf eine einfarbige Zeichnung 
(für Kllpferstiuli, Steindruck, Holzschnitt und dergl.) auszuschliessen. Die 
unerlaubte Vervielfältigung erlaubter, durch Kupferstich, Steindruck, Holz- 
schnitt und dergl. oder durch Abformungen und dergl. beschaiiter Nach- 
bildungen ist demnach nicht minder als ein Eingriff in das künstlerische 
Eigenthum zu betrachten; auch dürfte derselbe Fall eintreten bei der Nach- 
bildung eines plastischen Werkes durch eine der zeiehnenden Künste, so- 
wie bei der Nachbildung eines Gemäldes, einer Zeichnung und dergl. durch 
plastische Mittel. Denn, ich wiederhole es, die Eigenthüinlichkeit eines 
originalen Kunstwerkes besteht gerade in dem geistigen 'l'hcile der Erfin- 
dung; keine Uebersetzung, wieviel künstlerische Technik auch dazu gehöre, 
schafft ein neues Kunstwerk; sie enthält, wenn unerlaubt, vielmehr stets 
einen Eingriff in das Nutzungsrecht der Erfindung. 
Aus demselben Grunde wäre es ferner als unerlaubte Nachbildung 
eines Kunstwerkes zu betrachten: 
1) wenn ein zweites Kunstwerk mit gewissen geringfügigen Abände- 
rungen producirt würde, die das Wesentliche der Idee und ihrer besondern 
Gestaltung, wie sie an einem früheren erschienen ist, nicht berührten, son- 
dern nur Gleichgültiges veränderten. Erlaubt aber und nicht mehr als 
eigentliche Nachbildung zu betrachten, würde ein Kunstwerk sein, welches 
vielleicht die Idee eines früheren im Allgemeinen benutzte, dieselbe jedoch 
anders auffasste, so dass es als ein im Wesentlichen neues Kunstwerk 
erschiene; 
2) wenn nur ein Theil eines originalen Kunstwerkes nachgebildet und 
vielleicht mit ähnlichen geringfügigen Abänderungen versehen würde; wenn 
man z. B. von einem Portrait in ganzer Figur den Kopf nachbilden wollte; 
3) wenn man mehrere vorhandene Kunstwerke, oder nur Theile der- 
selben zu einem Ganzen Verbände, ohne an denselben im Wesentlichen 
etwas zu verändern, und ohne sie einem höheren Gesichtspunkte unterzu- 
Ordnen; wenn man z. B. einzeln vorhandene Portraits auf einem Blatt in 
beliebiger Weise zusammenstelltc.
        

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