Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500502
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Erörterungen. 
Berichte, Kritiken, 
sich windenden Wege verschwinden. Die Wahrheit in der Auffassung des 
Termins, der Stämme, der Aeste, des ganzen Banmgerippcs, die Farbe 
machen dies Blatt zu einem der schönsten des Heftes. 
Das zweite Blatt zeigt ebenfalls eine Scene aus dem ersten Gesange, 
und zwar die, von welcher Henning der Hahn in seiner Anklage gegen 
Reineke sagt: 
Als der Winter vorbei, und Laub 
Uns zur Fröhlichkeit riefen   
und Blumen und Blüthen 
ferner von 
wie cr 
und 
zahlreichen 
seinem 
Geschleuhte erzählt: 
sie fanden 
Ihre tägliche Nahrung an wohlgesicherter Stätte; 
Reichen Mönchen gehörte der Hof, uns schirmte die Mauer. 
Diese Mauer nun, durch deren Thor man in den tief dunkeln Klosterhof 
schaut, blickt heimlich und verstohlen durch das üppige Laub der Buchen 
hervor, und ein öder begraster Fusssteig schlängelt sich durch die Stämme. 
Reineke stürzt aus dem Gebüsch und erwürgt Kratzfuss, die beste der cier- 
legenden Hennen, nachdem er sie zuvor als Klausner, der den festen 
Frieden so Thieren als Vögeln verkündet, sicher gemacht und heraus- 
gelockt hat. 
Auf dem dritten Blatte sieht man in einem wilden, dunkeln, engen 
Waldthale eine grad aufsteigende Felswand, von einzelnem Steingerölle und 
Buschwerk umgeben. Keine Spur von gebahntem Stege führt hindurch. 
Es ist der heimlich abgelegene Ort, wo Reineke's Vater, nach des Soh- 
nes Anzeige, König Emmrichs Schatz verborgen hat. 
Eine hügelige, öde, sonnenvcrbrannte Heide zeigt die vierte Tafel. 
Zwischen dürren, halbentlanbten lüichenbäumen sieht man unbewohnte 
Hütten. Hier konnte Reineke keine Nahrung finden; vorn, unter Fichten- 
zweigen und Gestrüpp, liegt er für todt ausgestreckt, und Scharfenebbe, die 
Krähe, untersucht eben, auf ihm herumhüpfend, ob irgend der Athem noch 
einiges Leben verräth. Er wird sogleich nach ihr schnappen und ihr das 
Haupt hernnterreissen. 
Auf dem fünften Blatte ist wieder eine Wintergegend. Ein beschneiter 
Sumpf voller Rohr, Schilf und Binsenfelder. Die Ufer mit Erlen und 
Weidenstämmen eingefasst; dahinter ein Gehöft. Raben umkreisen die 
schlanken Bäume, auf denen man jetzt ihre Nester sieht.  Die Wölfin 
sitzt jämmerlich vorn im Eise; ihr Schwanz ist eingefroren, und Reineke 
läuft schadenfroh davon, als er den Wolf durch das Dickicht hervorbre- 
chen sieht. 
Das letzte Blatt giebt den Ort an, wo Reineke die Wölfin verlockt hat, 
sich in den oberen Eimer eines Ziehbrunnens zu setzen, um selbst aus der 
Tiefe emporgelangen zu können. Er springt eben lustig hervor, nachdem 
er ihr beim Begegnen zugerufen: 
Auf und ab, so geht's in der Welt, so geht es uns beiden. 
Ist es doch also der Lauf. Erniedrigt werden die einen 
Und die andern erhöht, nach eines jeglichen Tugend.
        

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