Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500416
Befliuer Werkstätten. 
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sich bei Jacques Callct und bei dem jüngeren Teniers. Unter den genann- 
ten Skizzen sind es vorncmlich die beiden letztgenannten, welche uns 
durch einen allgemeineren Inhalt anziehen. Die "zerbrochene Flasche" 
stellt einen Philosophen dar, der in den Boden einer solchen hineinschaut; 
es scheint zwischen dem kegelartig aufsteigenden Boden der Flasche und 
zwischen Seiner tiefgeneigten Nase eine Art magnetischer Anziehungskraft, 
ein gewisses verwandtschaftliches Verhältniss statt zu finden. Es ist eine 
seltsame Karikatur; seine sehr nachdenkliche Stellung, seine unverwandte 
Aufmerksamkeit, die freudige Aufklärung in seinem Gesicht zeigen es an, 
dass ihm jetzt die vielgesuchte Wissenschaft von dem Grunde des Weines 
gekommen; die Wünsche seines Daseins sind erfüllt. Das andre Blatt, 
„die gewiegten Flaschen," enthält die Freuden eines glücklichen Vaters, 
der neben einer Wiege kauert und in derselben zwei kleine Fläschchen 
sanft schaukelt; die stille Glückseligkeit in seinem Gesichte, die Freude 
an den lieben Kleinen, das Träumen in eine ferne Zukunft, da ihm seine 
Sorge von den Pfleglingen vergolten werden wird, sind unübertreiilich 
dargestellt. Den Skizzen sind Reime beigefügt, welche das Gesagte auf 
ihre Weise andeuten.  
Berliner 
Werkstätten. 
(Museum 
1834, Nr. 
 Vor dem Thor im Grünen, auf dem Carlsbade, in der Nähe von 
dem phantastisch mittelalterlichen Hause des Prof. W. Stier, liegt die 
Wohnung des Prof. Begas, ebenso anmuthig künstlerisch im Inneren aus- 
gestattet, wie nach aussen mit fröhlichen Aussichten; ein treiflichst ange- 
legtes geräumiges Atelier erregt das Interesse aller Künstler. Hier sahen 
wir, seiner Vollendung fast nahe, ein Gemälde, die Aussetzung Mosis vor- 
stellend. Es ist ein reizend heimlicher Uferplatz; die Mutter hat, wie es 
scheint, dem Kinde eben zum letzten Mal die Brust gereicht und ist im 
Begriff, dasselbe in den Korb zu legen, indem sie es noch einmal schmerz- 
voll anblickt; die ältere Schwester des Knaben, ein Mädchen von etwa 
zehn Jahren, hört Geräusch und will die Mutter zur Eile antreiben; oben, 
über den grünen Berghang, sieht man die Prinzessin mit der Schaar ihrer 
scherzenden Begleiterinnen herniederwandeln. Ueber die anmuthvolle, 
sinnige Composition, über die Meisterschaft der Technik, vornehmlich in 
der Farbe, möge das Publikum inskünftige selbst nrtheilen. Das Bild ist 
zwar für den rheinisch-westphälischen Kunstverein gearbeitet; düch hüllen 
wir bei der anerkannt edlen, seltenen Liberalität dieses Vereines zuver- 
sichtlich, dasselbe als eine Zierde unserer grossen Herbst-Ausstellung 
wiederzusehen. AuSSerdem sahen wir in Begas' Atelier bereits eine 
Leinwand von bedeutenden Dimensionen aufgespannt, welche demnächst 
durch eine grossartige Composilion, Kaiser Heinrich IV., als Büsser im 
Burghofe von Canossa, ausgefüllt werden wird. DasSkrzzenbuch des 
Meisters ist ausscrdßm reich an interessanten Compositronen; es enthält
        

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