Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507288
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Nachtrag. 
Darstellung, Christus am Oelberge, der freier stylistischen Auffassung Hol- 
bein's entsprechend, aber minder anziehend als jene Bildnissgestalten. 
Eigenthümliches Interesse für die Momente kunstgeschichtlicher Ent- 
wickelung gewähren die im Dome vorhandenen Glasmalereien. Die in 
den Oberfenstern des Mittelschiffes erhaltenen gehören zu den ältesten, 
welche Deutschland besitzt. Es sind ihrer fünf, in den Fenstern der 
Südseite,  einzelne Heiligengestalten, in einem schweren, starren, hand- 
werklich byzantinischen Style und ohne eigentliches Kunstverdienst, aus 
dem Anfange des dreizehnten Jahrhunderts, etwa derDarstellungsweise im 
Hortus deliciarum der Herrad von Landsberg entsprechend.  Eine grosse 
Darstellung füllt das südliche Fenster des Querschiffes (auf der Westseite 
des Domes) aus. Es ist frühgermanischer Styl der Zeit um 1300: ein 
gothischer Tabernakelaufbau mit buntgemusterten Teppichgründen und 
einzelnen biblischen und Heiligen-Gestalten in strenger trecentistischer 
Weise. Das Ganze macht den Eindruck eines spielend bunten Teppich- 
werkes, ebenfalls noch ohne tiefere künstlerische Würde. Einzelnes ist 
Renovation.  Der mittlere Theil des Hauptfensters in der mittleren der 
östlichen Chorkapellen, hinter dem Hochaltar, ist mit Medaillons von Or- 
nament und Engelreigen, Scenen der Passion Christi enthaltend, ver- 
sehen. Diese haben den handwerklichen Charakter der ersten Hälfte des 
funfzehnten Jahrhunderts, mit germanischen Nachklängen.  Ein Fenster 
des nördlichen Seitenschides enthält drei Darstellungen: die Krönung 
Mariä, die Verkündigung, die Geburt Christi, nebst Engeln u. dergl. Dies 
sind treftliche Arbeiten vom Ende des funfzehnten Jahrhunderts, dem 
Charakter der augsburgischen Malerei dieser Zeit im Allgemeinen ent- 
sprechend. Sie haben allerdings keine plastische Totalwirkung, auch kein 
hochentwickeltes Schönheitsgefühl, aber Würde und individuell kräftige 
Durchbildung. In den Farben herrscht, wie auch sonst in den Glasma- 
lereien dieser Epoche, der weisse Ton vor.  Sehr bemerkenswerth end- 
lich ist ein grosses Glasgemälde im oberen Mittelfenster des Ostchores, 
über dem Hochaltar. Es ist ein Werk neuster Zeit, ohne Zweifel aus der 
Schule von München. Die Darstellung ist die Krönung der Maria, mit 
Engeln und reichen musivischen Ornamenten in den Rosetten des Fensters. 
Ohne einen völlig durchgeführten malerischen Rhythmus zu besitzen, 
zeichnet sich dies Werk ebensosehr durch seine höchst prachtvolle Wir- 
kung, wie durch den Adel der einzelnen Gestalten aus und giebt, gleich 
den sonst bekannten Arbeiten jener Schule, zur Seite der alten Arbeiten 
einen doppelt erfreulichen Beleg für die Durchbildirng der Glasmalerei in 
unseren Tagen. 
Nochmals 
antike 
Polychromie. 
Ende September 
1854. 
Eine akademische Gelegenheitsschrift, welche ich erst jetzt kennen 
lerne, veranlasst mich, auch den im ersten Bande der vorliegenden Samm- 
lung enthaltenen Untersuchungen über antike Polychromie noch einen
        

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