Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507268
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Nachtrag. 
S0 ist durch diese Arbeit die Ausdeutung der Bilder der Bronzethiir 
in der That nur sehr wenig gefördert. ln Betreff der häufig vorkommen- 
den Wiederholung von Darstellungen bemerkt Hr. v. A., dass S18 etwa 
den Zweck habe, den Inhalt der betreffenden Bilder besonders eindring- 
lich zu machen; was eben auch dahingestellt bleiben muss. Der Umäiarld 
dass der eine Thürtlügel breiter als der andre ist,  der eine in jeder 
Reihe drei Darstellungen, der andre deren nur zwei enthält,  eine Ein- 
richtung, die jedenfalls ihren sehr eigenthümlichen Grund hat, wird gar 
nicht in Erwägung gezogen, geschweige denn erklärt. Ich hatte im Uebri- 
gen die Vermuthung ausgesprochen, dass das Ganze der Thür früher viel- 
leicht irgend einmal auseinandergenommen und ohne Beobachtung der 
ursprünglich vorhanden gewesenen Folge der Bilder aufs Neue zusammen- 
gesetzt sein mochte. Hr. v. A. führt selbst eine Urkunde vom J. 1593 
an, der zufolge damals einige Reliefs abhanden gekommen und durch 
neue von demselben Gusse (von den nicht mehr vorhandenen Platten??) 
ersetzt und dass das Ganze durch neu gefertigte kupferne Bänder neu 
verbunden wurde. Dabei konnte,  in einer Epoche, in welcher ein 
lebendiges Verständniss des Inhalts schwerlich noch vorhanden war,  
eine willkürliche Umstellung sehr leicht stattgefunden haben; auch ist es 
kaum anders möglich, als dass die fehlenden Platten durch Abgüsse von 
vorhandenen, also durch Wiederholungen, wie solche vor Augen ste- 
hen, ergänzt wurden. Bei diesen thatsächlichen Umständen wird jede 
gründliche Ausdeutung der Thür,- auch abgesehen von der Misslichkeit des 
willkürlichenVerfahrens, welches Hr. v.A. beobachtet,_ doppelt bedenklich. 
Ich habe noch ein Paar Einzelbemerkungen hinzuzufügen. In dem 
Bilde der Erschaffung der Eva hatte ich die Figur der Gottheit als Jehova 
bezeichnet und bemerkt, dass ich von der älteren Beobachtung, nach wel- 
cher die Jungfrau Maria dabei ngegenwärtig" erscheine, nichts wahrge- 
nommen habe. Aus den Bemerkungen des Hrn. v. A. ersehe ich, dass 
dieser voraussetzliche Jehova selbst, weil er bartlos ist (ebenso wie auf 
dem darunter betindlichen Bilde, welches ich als Erschaffung des Adam 
auifasste, während es Hr. v. A. als nßelehrung und Stärkung der Eva" 
bezeichnet), die Maria darstellen soll. Hr. v. A. erklärt dies, nach der 
mystischen Doctrin des Mittelalters, als Incarxiation der ngöttlichen Weis- 
heit" in der Gestalt. der Maria. Wäre der Gesammtinhalt der Bilder klar 
genug und solcher Auffassung entsprechend, so würde ich an sich nichts 
dagegen haben. Eine bartlose Darstellung des schaffenden Gottes halte 
ich aber keinesweges für etwas Unerhörtes; Christus namentlich wird in 
der frühchristlichen Kunst (besonders auf den Sarkophagen) häufiger ohne 
Bart als mit solchem dargestellt; dies konnte, bei der Gleichartigkeit der 
Personen der heiligen Trinität, sehr fiiglich auch auf die beiden andern 
der letzteren übertragen werden, konnte somit auch in diesem Fall ge- 
schehen sein.  Dann bemerkt Hr. v. A., ich hätte, mit Bezug auf den 
Inhalt der Thür, nur von „dekorirender Spielerei" gesprochen, während 
dies keinesweges der Fall ist, ich vielmehr sagte: dass, wenn überhaupt 
ein Gesammt-Inhalt vorhanden, doch zugleich eine, mehr nur dekori- 
rend spielende Sinnbildnerei mitgewirkt haben möge, u. s. w. Zum 
weiteren Zeugniss meines angeblichen Unverstandes 1) legt er mir gleich- 
Q Dass Hr. v. A. überhaupt nicht weiss, 
altchnstlicher Symbolik geschrieben ist (dass 
was meinerseits zur Erläuterung 
ich z. B. der erste gewesen bin,
        

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