Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507228
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Fragmente zur Theorie der 
Kunst. 
lich spielenden Contrast gegen die energische Grundform bilden, von ge-- 
schmackvoller Eleganz, oft freilich auch in die verwuuderlichsten Bizar- 
rerieen ausartend. Was solcher Art an den Eckstellen der Urnrahmung 
seine ästhetische Bedeutung gewonnen hat, wiederholt sich dann wohl 
auch, mehr oder weniger ausführlich, mitten im Lauf länger gedehnter 
Linien. Man könnte sagen, es sei ein Ueberschuss an Lebenskraft, der 
hier zur springenden Erscheinung komme. 
In keinem andern architektonischen Style hat die Einrahmung eine 
ähnlich selbständige Ausbildung erhalten. Ueberall sonst ist sie entweder 
aus einfachen architektonischen Gliedern zusammengesetzt, deren Bildung 
unter wesentlich abweichenden architektonischen Verhältnissen erfolgt war 
und die, als traditionell vorhandene, sich auch diesem Zwecke fügen 
mussten; oder es sind vollständig kleine Relief-Architekturen, die zum 
Geschäft des Einrahmens verwandt werden, wie.- in solcher Weise sehr 
glänzende Gemälde-Rahmen (gelegentlich auch Rahmen von Basreliefs) 
u.A. in der toskanischen und der venezianischen Kunst vorkommen. Es 
steht hier aber doch nur ein künstlerisches Scheinbild an der Stelle eines 
künstlerischen Organes, welches sich mit Entschiedenheit in sich selbst 
aussprechen muss. Es ist bemerkenswerth, dass das letzte selbständig 
künstlerische Product der Architektur in ihrer geschichtlichen Bethätigung 
 bis auf die etwanigen Resultate der Bestrebungen des neunzehnten 
Jahrhunderts, über welche wir in solcher Beziehung noch kein Urtheil 
haben,  der Rahmen, das Einschliessende, ist. 
Die allgemein übliche Wiederaufnahme der Rococobildung für die 
Gemälderahmen hat hienach gewiss einen tieferen Grund, als den der 
Mode. Aber es wäre zu wünschen, dass die Rahmen, statt des beliebten 
barbarischen Gemengsels von rococoartigen (und oft allerlei andern ba- 
rocken) Details, auf das Princip dieser Formenbildung zurückgeführt und 
dass sie zugleich,  was durchaus nicht ausserhalb derGrenzen des zu 
Erstrebenden liegt,  diesem Prineip gemäss in einer classisch gereinigten 
Weise durchgebildet würden. 
        

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