Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1500393
Der 
lange Markt in 
Danzig. 
Sie ist in dem früher gebräuchlichen Matronencostüm, einem langen Unter- 
gewande und einem weiten Mantel, letzterer nach Art einer priesterlichen 
Casula, wie es das Mittelalter liebt. um den Oberleib geschlagen, das Haupt 
mit einem Schleier bedeckt. Das Christuskind ist nackt; es sitzt auf einem 
Kissen, dem Beschauer gerade zugewandt, und erhebt die Rechte zum 
Segen. Zwei Engel halten einen Teppich hinter der heil. Jungfrau und 
schauen zu dessen beiden Seiten hervor. Das Ganze macht, in seiner voll- 
kommeuen Ruhe und Leidenschaftslosigkeit, in den einfach grossartigen 
Linien des Falteuwurfes, einen hochernsten und feierlichen Eindruck. Doch 
ist auch dies, wie gesagt, ein Werk, welches wesentlich als nur dem 
Mittelalter angehörig betrachtet werden muss; es liegt eine gewisse mön- 
chische Apathie in allen diesen Gesichtern, die zu unsrer lebendigeren 
Ansicht des Lebens  wie wir es doch sämmtlich meinen und fühlen  
nicht passen will. 
Die Arbeit des Kupferstechers ist im Wesentlichen nur erfreulich und 
als eine wahrhaft deutsche, entfernt von allem aifectirten Glanz und Flim- 
rner, zu bezeichnen. Es sind einfache Striche, in gleichen Stärken und 
Abständen neben einander-gelegt. und der besonderen Lage der einzelnen 
Theile wohl angemessen; die verschiedenen Localtöne, durch ein grösggyes 
oder geringeres Zusammentreten zweckmässig bezeichnend; in den Schatten 
verstärkt und mit, meist einfachen, Kreuzstrichen versehen. Nur ist zu 
bemerken, dass an einzelnen Lichtstellen der Gewandung die zu wün- 
schende vollkommene Gleichmässigkeit der Striche fehlt. In den Fleisch- 
partieen lösen sich, nach den lichteren Stellen zu, die Striche von einan- 
der und gehen, um eine grössere Weichheit und zartere Modellirung her- 
vorzubringen, in längliche gestossene Punkte über. Dies leichtere Mittel 
aber, das, wie es scheint, nur mit grosser Behutsamkeit anzuwenden ist, 
hat den Kupferstecher an einigen Stellen verführt, die Punkte zu sehr und 
ausser dem genauen Gesetz der Strichlagen zu häufen, wodurch an mehre- 
ren halbdunklen Stellen, statt der klaren Schatten einfacher oder doppelter 
Strichlagen, ein vcrwischtes Grau hervorgebracht ist. Noch unangenehmer 
wirkt es, wo diese Punkte gewissermaassen als Aushülfe und Retouche 
zwischen den Strichen angewandt sind. 
Doch betreiTen diese Ausstellungen nur einzelne kleinere Partieen; im 
Wesentlichsten ist das Blatt mit grosser Sorgfalt, mit Geist und Sinn ge- 
arbeitet und Liebhabern sehr zu empfehlen. 
Der lauge_Ma1-kt in Danzig. Gemnlt von Dominic Quaglio. 
Lithographirt von J. Bergmann. Gedruckt im lith. lnst. v. L. Sachse 
8:. Comp. durch Berndt. Verlag von L. Sachse 8:, Comp. in Berlin. 
(Museum 
1834, 
Das vorliegendeßlatt enthält einen Blick in das interessante Innen; 
einer ehemals mächtlg blühenden norddeutschen Stadt. l_-lohe und schmale 
Gjgbglhäusey im Styl des slebzehnten Jahrhunderts, melst nur zwei 11'139-
        

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