Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507078
Dorniers Moments 
0011119 
du 
cTEgmont. 
737 
Lichtern versehen; in diesen macht sich jener strengere Ernst der römisch 
landschaftlichen Erscheinungen besonders entschieden geltend. Die An- 
sicht des Colosseums, über einen Gartenvorgrund hinaus; die wie eine 
Composition Poussins sich hinbreitende Gegend bei Olevano; der duftige 
Schimmer an den Ufern des Nemi-Sees; das gewitterliche Düster über der 
Neptunsgrotte bei Tivoli,  diese und manche andre Blätter sind schätz- 
bare Beispiele der Art. 
Derniers Moments du Comte d'Egm0nt. Peint par Louis Gal- 
lait. 'I'ir6 de la Gal ärie du Mr. Wagner ä Berlin. Gravä par Achille 
Martinet. Düsseldorf, Julius Buddeus, Editeur etc. 
Kunstblatt 
185a, No. 
Wir glauben voraussetzen zu dürfen, dass das Gemälde des belgischen 
Meisters, welches dieser Kupferstich vergegenwärtigt und welches eine 
Zlßfdß der Wagenefschen Sammlung zu Berlin ausmacht, unsern Lesern 
ellßwßdef allS Eigner Anschauung oder durch Berichte, die früher über 
dasselbe erschienen, bekannt sein wird. Es gehört zu jenen tragischen 
Scenen der ilandrischen Geschichte, in deren Darstellung Gallait seine 
QTÖSSB 8110111. Es ist Egmonts letzter Morgen. Er hat die Nacht in geist- 
lichen Ueblmgen mit Martin Rithov, dem Bischofe von Ypern, zugebracht; 
111111 brlßht (1118 Tageslicht in das Fenster herein; er ist aufgestanden und 
blickt durch die Scheiben hinaus. Wobei der Beschauer de: Bildes aller- 
dings soviel Historie mitbringen mag, um zu wissen, dass das Fenster des 
Gemaches, welches Egmont die letzte Herberge gewährt hatte, auf den 
grossen Markt von Brüssel hinausging, und dass sich dort über Nacht,  
das letzte Zcugniss des unbeugsamen Willens seiner Henker,  das 
Schaffot erhoben hatte, welches für ihn und für Hoorn bestimmt war. 
Diejenigen, die lediglich nur von einem plastischen Aufbau der künst- 
lerischen Composition wissen wollen, werden von der Anordnung dieses 
Werkes nicht sehr befriedigt sein. Zur Linken steht Egmont, eine einfache 
Kniefigur, die rechte Hand leicht auf den Fenstersims aufgestützt, in der 
andern ein kleines Gebetbuch; zur Rechten sitzt der Bischof, der ein 
grösseres Buch auf dem Schoose hat und jenen mit sorglicher Geberde 
von der Betrachtung dessen, was draussen ist und was seine Gedanken 
von der Versöhnung mit dem Schöpfer leicht wiederum ablenken könnte, 
zurückzuführen sucht. Ein sonderlich kunstreiches Studium der Umriss- 
linien ist somit in dem Bilde nicht vorherrschend, vielmehr das einfachste 
ruhigste Nebeneinander, wie es sich eben im Leben selbst gefügt haben 
mochte. Eine charakteristische künstlerische Wirkung hat Gallait hier mit 
Entschiedenheit in den speziell malerischen Mitteln gesucht. Am rech- 
ten Rande des Bildes ist ein Betstuhl (der Brief, den Egmont in jener 
Nacht an König Philipp geschrieben, liegt darauf), und über demselben 
ragt ein Cruciüx empor, welches die Kerze deckt, die ihnen die nächt- 
Kngler, Kleine Schriften. Hi. 47
        

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