Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1507001
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Berichte, 
Kritiken, 
Erörterungen. 
treten uns in systematischer Folge entgegen. überall mit der genauen An- 
gabe der kleinsten Verschiedenheiten, welche bei diesem und jenem Re- 
giment, bei Ofticieren und Gemeinen, bei "frompetern und Trommlern, in 
der Galla- und in der Dienstkleidung zu bemerken waren. Vollständig 
konnte diese Folge aber nur in Bezug auf die Uniformirung, welche in 
der späteren Regierungszeit des Königes angeordnet war. durchgeführt werden ; 
für die früheren Epochen derselben war es nur möglich, charakteristische 
Beispiele zu geben. Einzelne schätzbare Reste, wie Zieten's phantastische 
Tigerdecke und seine Bärenmütze mit dem Adlerilügel, sind an gehöriger 
Stelle eingereiht; merkwürdige Bildnisse, genau nach den Originalen wie- 
dergegeben, wie die Jngendportraits von Seydlitz und von Blüeher, dienen 
eben so zur Ausfüllung besonderer Lücken, wie sie, bei der Bedeutung 
solcher Namen, zugleich das vollste selbständige Interesse gewähren. 
Alles ist von Menzel eigenhändig mit der Feder auf Stein gezeichnet 
und nach seinen Vorbildern und unter seinen Augen colorirt worden. 
Die Stellung der einzelnen Figuren ist überall so gewählt, dass die Ein- 
richtung der Uniform vollständig ersichtlich wird; wo es nöthig war, sind 
aus diesem Grunde den von vorn gesehenen Figuren auch Rückeniiguren 
gegenübergestellt. So weit es die Eigenthümlichkeiten der Uniform, je 
nach den Truppengattungen gestatteten, sind, wie es scheint, dieselben 
Steinzeichnungen benutzt und die Abweichungen, für den einen und den 
andern Fall. durch Veränderung der Zeichnung eingetragen worden. S0 
kehrt also, je nach den dargestellten Charakteren, dieselbe Stellung mehr- 
fach wieder; aber der instruktive Zweck des Werkes tritt dadurch nur 
um so deutlicher ins Auge. 
Es ist ein instructives Werk, ein Kostümwerk, aber ein von einem 
Künstler gefertigtes und somit auch ganz entschieden, seiner Behandlung 
wie seinem Zwecke nach, ein künstlerisches Werk. Menzel hat nicht 
bloss die Uniformen gezeichnet, welche die Armee Friedrichs des Grossen 
trug, sondern zugleich, in diesen Uniformen, lllännerjener unvergesslichen 
Armee. Wir sehen diese Wackern vor uns, die bei Lcuthen vor dem so 
viel gewaltigeren Feinde nicht bcbten und nach der unheilvollen Nacht 
vor Hochkirch nicht zagten, die uncrmüdet von einer Grenze des Landes 
zur andern dem stets neuen Dränger entgegenzogen, deren Ernst eisern 
und deren gute Laune unverwüstlich war. auf deren Schultern, wie ihr 
König sagte, der preussische Staat sicher ruhte. Wir sehen der Festig- 
keit des Eisenreiters, dem Adel des Garde-du-Corps den stürmenden 
Trotz des Husaren gegenübergestellt, der gemessenen Ilaltung des Ofiiciers 
die derbe des Gemeinen, die Keckheit des Trompeters. das eigenthümliche 
Wesen des kleinen Trommelschlägers. Wir haben in jeder dieser Figuren 
ein abgeschlossenes Lebensbild vor uns und könnten zu mancher von 
ihnen wohl eine kleine soldatische Ballade schreiben.  
Art lässt eben nicht von Art. Einer, der wirklich ein Künstler ist, 
muss schon ein Künstler bleiben, auch wenn er ein kritisches Kostümwerk 
liefert, und hat er sich, wie Adolph Menzel, so ganz in diese Welt einge- 
lebt, so muss auch das scheinbar Trockene unter seiner Hand wieder von 
charakteristisch individuellstem Leben erfüllt wertlcn. Es möchte aber 
nicht viele Kostümwerkc geben, von denen man Dasselbe sagen ltann!) 
1) Zu bemerken ist. 
Sache liegenden (iründer 
dass die Auflage des 
, nur sehr klein ist. 
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Werkes, 
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