Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten
Person:
Kugler, Franz
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1499400
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1506934
Goetl 
Svhilleu" 
n- gemeinsax 
723 
im Allgemeiner: das Symbol seines körperlichen 'l'huns. Während sein 
geistiges Wirken vorzugsweise nur in Kopf und Antlitz seinen Ausdruck 
findet. Bei dem Mann der in das äussere Leben hinausgreifenden That, 
bei dem Helden insbesondre. wird es wesentlich auf das Bild seiner kör- 
perlichen Gesammterscheinung ankommen; hiebei wird nichts von dem zu 
vernachlässigen sein, was  eben im Kostüm und allem dazu Gehörigen  
die äusseren Zeitelemeute und die äussere Stellung des Mannes in seiner- 
Zeit bezeichnet, wasüberhaxipt durch sein körperliches Gebahren bedingt, 
die Weise seines Eingreifens in das Leben zu  geeignet ist. 
Anders bei dem Manne der geistigen That. Bei diesem kommt es, wie 
eben angedeutet, zunächst und vorzugsweise auf den Kopf, auf die Weise 
au, wie sich in dessen Formen und Lineamenten die Einwirkungen seiner 
geistigen Tdiätigkeit ergehen hatten. Für den Mann der geistigen That 
wird schon die Büste eine vorzüglich charakteristische monumentale Be- 
deutung haben. Soll aber nicht diese gegeben werden, erfordern grössere 
monumentale Zwecke eine Darstellung in ganzer Gestalt, so würde bei 
solcher naturgemäss zunächst jenes körperliche Gewicht überwiegen und 
das geistige Element Gefahr laufen, gegen das des änsseren Thuns wesent- 
lich zurückzutreten, welches letztere doch bei dem lrlanne der geistigen 
That in doppelt untergeordnetem Vcrhältniss zu stehen pflegt. Das Zeit- 
kostüm und die Ausprägung desselben nach der besondern Persönlichkeit 
würden hier in aller Breite das Spiegelbild eben dieses Untergedidneten 
geben, während das Eingehen hierauf doch ganz ausserhalb der eigent- 
lichen Zwecke eines derartigen Denkmales liegt. Es handelt sich hier um 
Denkmäler idealen Wirkens:  es wird daher eine ideale Behand- 
lung. W16 eine solche in der Machtvollkommenheit aller Kunst beruht, 
hier durchaus am Orte Sein. 
 Als alfgemessenste ideale Darstellung einer charakteristischen Persön- 
lichkerlt, 1m "Gegensatz gegen die zufälligen Besonderheiten dieses oder 
jeIICS Äeftkostlllnä- könnte zunächst diejenige erscheinen, welche der hohen 
Schönheit des körperlichen Organismus ihr volles Recht gieht,  freie. 
stolze Nacktheit. Sehen wir vo'n den Banden der Sitte unsres Zeitalter-S 
ab, welche uns dergleichen bei einem Bildnissirerke freilich überhaupt 
nicht verstatten würde, so können wir uns doch sehr wohl vorstellen, dass 
ein derartiges YVerk zur hohen künstlerischen Wirkung (lurchznhilden 
wäre, wenn auch unter der Voraussetzung, dass der gegebene Portraitkopf 
nicht minder demjenigen Grade einer freieren Behandlung nnterläge, der 
seinen körperlichen Ausdruck mit dem körperlichen Selbstgcfühl der nack- 
ten Gesaminterscheinung in Einklang zu setzen erforderlich wäre. Aber. 
wie weit auch eine solche Darstellung unter Umständen zulässig sein mag, 
für die Gedächtnissstatue des Mannes der geistigen That würde sie wie- 
derum sehr wenig geeignet sein. Die untergeordneten Beziehungen. die 
das Zeitkostüm hier festgehalten hätte, wären bei nackter Darstellung zwar 
beseitigt. aber das entscheidende Hervorheben des geistigen Elementes 
doch noch nicht gewonnen; das Körperhafte,  Alles dasjenige, was zu 
den Funetionen des körperlichen Daseins gehört, wurde dabei noch immer 
in überwiegendem Maasse vorherrschen oder sich als ein solches dem Auge 
des Beschaners aufdrängen. 
Es kommt allerdings darauf an, die freie, durch keine Zufälligkeiten 
beengte Schönheit des körperlichen Organismus festzuhalten, aber nur als 
Grundlage, als Rerniniseenz, und in einer Weise umkleirlet, die sginc
        

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