Volltext: Kleine Schriften über neuere Kunst und deren Angelegenheiten (Bd. 3)

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gewidmet werden muss, das eine Denkmal, welches die beiden Grössten 
im Verhältniss ihres gemeinsamen Wirkens umfasste. nicht errichtet wor- 
den. Rauch hat zu einem solchen Denkmal eine Skizze gearbeitet. Die 
Bedeutung, einerseits der Aufgabe, andrerseits der Meisterhand, von wel- 
cher die Skizze geliefert ist, wird ein ausführlichercs Eingehen darauf in 
diesen Blättern angemessen erscheinen lassen. 
Die Skizze führt uns die Gestalten beider lliänner, zur Gruppe ver- 
einigt, gegenüber. Sie sind in antiker Gewandung dargestellt. Antikes 
Kostüm bei Gestalten des modernen Lebens ist ein Umstand, den aller-- 
dings noch vor funfzig Jahren ein Jeder als völlig in der Ordnung be- 
zeichnet haben würde, der aber, wie es scheint, bei der heutigen Ge- 
schmacksrichtung vorerst doch eine nähere lürörterung und Verständigung 
nöthig macht. 
Wir sehen in unsern 'l"agen die Monumental-St:tttien grosser "Männer 
vorzugsweise im Kostüm ihrer Zeit gearbeitet, in der ganzen Ausrüstung 
derjenigen äussern Erscheinung, die den Gefeicrten im Leben eigentliüm- 
lieh war; namentlich hat Rauclrselbst durch die glückliche Weise, wie er- 
die hieran sich knüpfenden Bedingungen mit den künstlerischen Anfordc- 
rnngen zu vereinigen wusste, einen wesentlichen "Fheil seines Ruhmes 
erworben. Gewiss hat diese Art der monumentalen Darstellung ihr volles 
Recht. Wie das, was der einzelne, auch der grösste Mann gethan. durch 
die Verhältnisse seiner Zeit bedingt war, so musste er selbst sich noth- 
wendig in den Formen seiner Zeit bewegen, kann also seine änsser-e 
Eigenthümlichkeit {zur genügend charaktervollen Erscheinung nur dann 
gebracht werden, wenn dies innerhalb der Formen seiner Zeit und. wenn 
möglich, in der Ausprägung, die er persönlich diesen Formen gegeben 
hatte, geschieht.  Freilich hat diese Aufgabe schon einige äussere 
Schwierigkeiten. Die Formen des Zeitkostüms scheinen in ihrer Eigelb 
willigkeit oft derjenigen volleren künstlerischen Wurde zu widerstrebem 
die bei einem, für die Dauer von Geschlechtern und Jahrhunderten Ire; 
stimmten Denkmale doch nicht minder eingehalten werden soll. Mal, 
thut, solcher Schwierigkeit zu begegnen, dem gegebenen Kostüm hinzm 
was die grössere Würde besser zu vermitteln scheint; man hüllt die Gg- 
stalt oder einen Theil derselben in den freieren Faltenfluss irgend eines 
Mantelstüekes; aber man beeinträchtigt damit nur allzuoft dasjenige, worin 
die sprechendstc Wirkung des gegebenen Kostüms zu beruhen pflegt,  
seine frische gesunde Naivetät; man schafft nur allzuoft, wenigstens da, 
wo die Anwendung des faltigen Gewandsttlckes nicht durch ein ganz nn_ 
bedingt natürliches und verständliches Motiv gegeben war, ein unerquick_ 
liches Zwitterwesen. Indess weiss die wahrhafte Meisterschaft um der- 
gleichen Nothbehelfe hinwegzukommen; Rietschefs Lessing ist ein Beispiel, 
wie monumentale Würde auch bei völliger Hingabe an die Erfordernisse 
des Zeitkostüms zu erreichen ist.  Ungleich grössere Berücksichtigung 
erfordert ein andrer Umstand. 
Die Statue, welche den gefeierten Mann in ganzer Figur darstellt 
gicbt uns das Bild seiner körperlichen Erscheinung. Diese seine körper-Ä 
liche Erscheinung war die Hülle seines Geistes und das Weben Seines 
Geistes ihr allerdings ebenso aufgeprägt, wie z. B. der Modeschnitt seines 
Kleides durch sein körperliches Gehahren das eigenthümliche Gepräge 
empfangen hatte. Aber die körperliche Hülle spiegelt doch keinesiveges 
nur allein dies sein geistiges Thun wider; sie ist vielmehr zunächst und
	        
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